Global Press
Etwas zu kaufen, was man nicht braucht, ist jedem schon mal passiert. Bei einigen Menschen geschieht dies regelmäßig, auch wenn kein Geld dafür da ist. Dies kann sich zu einer Zwanghandlung steigern. Dann handelt es sich um Kaufsucht. Diese kann existenziell bedrohlich sein. Eine neue Therapieform verspricht den Betroffenen jetzt Hilfe.
Die Kaufsucht beginnt oft schleichend. Über das normale Maß hinaus werden beispielsweise Kleidungsstücke oder CDs gekauft, die eigentlich gar nicht benötigt werden. Beim Kaufen empfinden die Betroffenen eine besondere Befriedigung, die aber beim Bezahlen häufig zu verfliegen beginnt. Schnell macht sich ein schlechtes Gewissen breit, aber trotzdem wird bald wie unter Zwang erneut etwas gekauft. Wie bei jeder Sucht steigert sich auch bei der von Medizinern als Oniomanie bezeichneten Erkrankung der Drang nach weiterer Befriedigung. Kaufsüchtige geben immer mehr Geld aus und machen nicht selten Schulden.
Aus eigener Kraft aus der Suchtspirale zu entkommen, ist nur schwer möglich. Dank eines neuen Therapieansatzes, der bei fast jedem zweiten Patienten zu einem Erfolg geführt hat, könnte in Zukunft vielen Betroffenen geholfen werden. Am Universitätsklinikum Erlangen ist ein ambulantes Gruppen-Therapiemodell ausprobiert worden. Hierbei können sich die Betroffenen auch untereinander austauschen; das Prinzip der Selbsthilfe hat sich in der Vergangenheit bereits in vielen anderen medizinischen Bereichen bewährt. Entwickelt worden ist die Kaufsucht-Therapie ursprünglich an der University of North Dakota in den USA.
Damit Kaufsüchtige sich ihr Leiden eingestehen und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, müssen oft Außenstehende mit entsprechendem Fingerspitzengefühl auf sie einwirken. Einige Patienten kaufen Artikel doppelt oder mehrfach, auch wird häufig Unnötiges gekauft. Solche Gegenstände verschwinden dann meist umgehend in der hintersten Ecke im Schrank oder gar im Keller. Ein weiteres Indiz für eine eventuell vorliegende Kaufsucht ist ein ständig überzogenes Konto.
In Deutschland gelten je nach Schätzung unterschiedlicher Quellen zwischen sechs und acht Prozent der Bürger als kaufsüchtig oder von dieser Sucht gefährdet. Frauen sind offenbar anfälliger für die Kaufsucht als Männer. Das Kaufverhalten der Geschlechter unterscheidet sich ebenfalls: Während das starke Geschlecht eher Sportgeräte, moderne Technikartikel, Antiquitäten und Autozubehör kauft, geben Frauen ihr Geld für Kleidung, Schuhe, Kosmetik, Lebensmittel und Haushaltsgeräte aus. Zusehends häufiger gehen Kaufsüchtige nicht mehr in Ladenlokale, um einzukaufen. Das Internet ist für sie ein ideales Jagdrevier, in dem sie noch leichter den Überblick über ihre Finanzen verlieren. Aber auch im Einzelhandel kann das Gefühl für das Geld leicht verschwinden, wenn mit der EC-Karte bezahlt wird. Wer zur Kaufsucht neigt, sollte sicherheitshalber auf Einkäufe im Internet verzichten und auch in Ladenlokalen nur bar bezahlen. Darüber hinaus ist es wichtig, sich im Verdachtsfall möglichst rasch an eine Suchtberatungsstelle zu wenden. Gaby Schulemann-Maier/mp
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