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Trauern kann zur Sucht werden

Global Press - Mittwoch, 25. Juni, 13:17 Uhr

Langanhaltende Trauer kann zur Sucht werden. Werden Trauergedanken über einen längeren Zeitraum hinweg häufig wiederholt und Erinnerungen an einen Verstorbenen immer wieder belebt, können im Gehirn dabei irgendwann auch Neuronen des Belohnungszentrums angeregt werden. Das haben Wissenschaftler der University of California in Los Angeles jetzt festgestellt. Laut Online-Magazin "Spektrumdirekt" gehen die Forscher davon aus, dass dieser Effekt auf die Dauer ein Suchtpotenzial birgt, was Betroffenen eine Verarbeitung des Verlustes erschwert und sie daran hindern könnte, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben.

In einer Untersuchung überprüften die Neurowissenschaftler die Hirnaktivität von 23 Frauen mit einem Brustkrebs-Todesfall in der Familie. Die Hälfte der Teilnehmerinnen litt laut einer psychologischen Einschätzung an einer Trauerform mit pathologischen Zügen, die über das normale Maß hinaus ging, der sogenannten "komplizierten Trauer". Diese Störung kann sich darin äußern, dass die Betroffenen keinen Sinn mehr in ihrem Leben sehen oder unter anhaltenden Schuldgefühlen leiden. Kompliziert trauernden Personen können aber auch ein sich selbst schädigendes Verhalten, eine Vernachlässigung der Mitmenschen, langfristige Schlaf- und Essstörungen oder Depressionen zeigen.

Die andere Hälfte der Studienteilnehmer trauerte auf normale Weise. Bei der Untersuchung betrachteten die Frauen Fotos von den Verstorbenen. Dabei zeigte sich, dass nur bei den kompliziert trauernden Frauen ein bestimmter Teil im Belohnungszentrum des Gehirns aktiviert wurde. Die Schmerzareale des Gehirns waren dagegen bei allen Teilnehmerinnen gleichermaßen betroffen.

Die Forscher gehen davon aus, dass bei kompliziert trauernden Menschen die Belohnungsreize, die der Anblick der geliebten Menschen auslöst, weiter bestehen bleiben. Bei anderen Betroffenen gehen sie dagegen nach und nach zurück. Anstatt sich mit dem Verlust abzufinden, werden die übermäßig Trauernden mit der Zeit von dem Belohnungsreiz abhängig.

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