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Vom "Würstchen" zum meist verkauften Kosmetikartikel der Welt und zum Sinnbild der Verführung hat sich der Lippenstift innerhalb von 125 Jahren gemausert. 1883 präsentierten am 1. Mai auf der Weltausstellung in Amsterdam Pariser Parfumeure den sogenannten Rhodopis-Serviteur oder auch "Stylo d'amour" genannten roten Farbstift für die Lippen. Da er damals quasi nackt und nur in Seidenpapier gewickelt war, wurde er abwertend auch "Saucisse" (Würstchen) genannt.
Zunächst galt er als anrüchig, weil er aussah wie ein Phallussymbol. Damit wurde er zu einem Utensil, das nur Prostituierte und vielleicht noch Tänzerinnen benutzten. Dabei bemalten Frauen schon in der Antike ihre Lippen. Zur Herstellung wurde wie auch von den Pariser Parfumeuren Hirschtalg und Bienenwachs mit Farbe vermischt. Das Gemisch war allerdings wenigen hochgestellten Personen vorbehalten und wurde in kleinen Dosen aufbewahrt und mit Fingern oder Pinseln aufgetragen. Im Unterschied dazu sorgte der in Seidenpapier geschlagene Stift bei Wärme für ungewollte Schmierereien in Handtaschen. Auch Tote hat die Benutzung des Lippenstifts kurz nach seiner Präsentation in Amsterdam hervorgerufen, als er in der Farbe Vitriolgrün erhältlich war. Das in ihm enthaltene hochgiftige Grünspanpulver wurde bald darauf verboten.
Erst mit der Verbreitung des Filmes erlangte der Lippenstift weltweite Anerkennung. Den endgültigen Durchbruch brachte schließlich der um 1948 in den USA entwickelte Drehstift in einer festen Hülle. Heute sollen laut "Manager Magazin" in jeder Sekunde 23 Lippenstifte weltweit verkauft werden. Wenn sie auch nicht direkt tödlich sind, so enthalten einige der Produkte doch immer noch bedenkliche Stoffe. Da Frauen, die regelmäßig Farbe auf die Lippen auftragen, im Laufe ihres Lebens einen ganzen Lippenstift verschlucken, sollte auf die Inhaltsstoffe geachtet werden. Neben Wachs und Öl werden darin teilweise gesundheitlich bedenkliche Farbpigmente und andere Zusatzstoffe verarbeitet. Oft enthalten die Stifte auch mehr als zehn Prozent Paraffine. Das Erdölprodukt kann sich in Leber, Nieren und Lymphknoten anreichern und entzündliche Reaktionen der Herzklappe hervorrufen.
Fehlt auf einem Lippenstift die Angabe der Inhaltsstoffe, können diese im Laden in einer Zutatenliste nachgelesen werden. Diese hängt häufig am Regal oder ist beim Verkaufspersonal einzusehen. Farbpigmente werden darauf mit der sogenannten Colour-Index-Nummer (CI-Nr.) angegeben. Zu den problematischen unter ihnen gehören CI 12085, CI 45419, CI 45370, CI 45380, CI 54530, CI 73360 sowie CI 11680 CI 11920, CI 15800, CI 16230, CI 17200 und CI 18050. Harmlos sind hingegen die Farbsubstanzen CI 75470, CI 77491, CI 77492, CI 77499, CI 77489 und CI 77947. Silke Koppers/mp

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