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Berlin (dpa) - Bundespräsident Horst Köhler hat dazu aufgerufen, die Freiheit des Wortes und der Kunst weltweit zu verteidigen.
Wer Bücher, Filme, Theateraufführungen oder Karikaturen verbieten wolle, sei auf dem falschen Weg, sagte Köhler bei einer Gedenkstunde zum 75. Jahrestag der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten am Freitag in Berlin. Die Verbrennung sei eine Vorstufe zum Holocaust gewesen. «Es war nur ein ein kleiner Schritt von der Ausgrenzung der Juden zur Verbrennung ihrer Bücher, und abermals ein kleiner Schritt von der Verbrennung der Bücher zur Verbrennung von Menschen», sagte der Bundespräsident in der Akademie der Künste.
«Wir erinnern uns heute mit Scham daran, dass vor 75 Jahren nicht nur hier in Berlin, sondern überall in Deutschland Zehntausende applaudiert und gejubelt haben, als die Bücher von Erich Kästner, Sigmund Freud, Karl Marx, Kurt Tucholsky und vielen anderen von Studenten ins Feuer geworfen wurden». Am 10. Mai 1933 hatten NS-Studenten Bücher jüdischer, sozialistischer und pazifistischer Autoren auf öffentlichen Plätzen in ganz Deutschland angezündet. An diesem Samstag soll unter anderem in Berlin und München mit öffentlichen Lesungen an jenen Tag erinnert werden.
Der «barbarische Ungeist» sei keine staatliche Maßnahme oder eine Aktion von NSDAP oder SA gewesen, sondern von Studenten und Professoren ausgegangen, sagte Köhler. Allein in Berlin hätte vor dem Scheiterhaufen am damaligen Opernplatz 70 000 Menschen gejubelt. Als Lehre daraus sei es wichtig, dass die Innenpolitik und alle gesellschaftlichen Gruppen darauf achten, «dass unser freiheitliches Land freiheitsliebend bleibt». Deutschland sollte weltweit für die Freiheit der Meinungen und Weltanschauungen werben. Dies schließe die Pflicht ein, verfolgte Autoren und Künstler im Land aufzunehmen.
Bücher symbolisierten wie kein anderes Medium das individuelle Denken, dienten der Bildung und Aufklärung. Deswegen sollten öffentliche Bibliotheken gut ausgestattet werden und in Stadt und Land präsent sein. Köhler dankte dem Journalisten Jürgen Serke («Die verbrannten Dichter»), der sich seit Jahrzehnten um die Erinnerung an die einst verfolgten Autoren kümmert und bald mit seiner Sammlung ein Museum in Solingen eröffnen werde.
Akademie-Präsident Klaus Staeck sagte, die Rolle seiner Institution in der NS-Zeit sei beschämend gewesen. Die 136 Akademie-Mitglieder hätten damals den Ausschluss ihres Präsidenten, des Malers Max Liebermann, hingenommen. Es sei ein «Versagen der Dichter und Denker» gewesen. Bei der Gedenkveranstaltung lasen Schauspieler und Autoren wie Ingo Schulze, Günter Lamprecht, Herta Müller und Volker Braun aus den Werken verfolgter Autoren.
Mit einer «Bibliothek Verbrannter Bücher» will das Moses-Mendelssohn-Zentrum der Universität Potsdam die Werke der verfemten Autoren wieder einem größeren Publikum zugänglich machen. In den kommenden Jahren sollen 120 Bände erscheinen, darunter Bücher von Anna Seghers, John Dos Passos, Jack London und Joachim Ringelnatz. Die Bibliothek soll an 4000 Schulen in Deutschland verteilt werden. Die erste Buchkassette umfasst zehn Bände, teilten die Initiatoren mit.

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