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Arnsberg/Bad Meinberg (ddp). Studenten beginnen ihr Studium meist in jungen Jahren direkt nach der Schule, um sich für einen Job zu qualifizieren. Nicht Student Harald Wünsche aus Arnsberg: Der Sauerländer interessiert sich zwar schon sein Leben lang für Geschichte und Wirtschaftswissenschaften. Ein Studium begann er aber erst mit Ende 60, als sein Berufsleben hinter ihm lag. Der heute 70-jährige Rentner hat vor kurzem als einer von 27 Absolventen der ersten Senioren-Uni Deutschlands im westfälischen Bad Meinberg sein Studium abgeschlossen.
Nach zwei Jahren des Studiums Generale am Europäischen Zentrum für universitäre Studien der Senioren (EZUS) freut sich der Rentner derzeit auf die Abschlussfeier seines Jahrgangs, die voraussichtlich im August stattfinden soll. 15 Fächer hat Wünsche während der Präsenztage in Bad Meinberg sowie in Eigenarbeit daheim in Arnsberg studiert, darunter auch Geschichte und Wirtschaftswissenschaften. Aber auch Religion stand auf dem Programm, was den 70-Jährigen eigentlich gar nicht so interessiert hatte. »Aber dann hat mich die Vorlesung total begeistert«, schwärmt Wünsche. »Jetzt kann ich viele Ereignisse in der Welt viel besser verstehen.«
Obwohl eigentlich alle Professoren »toll« waren, habe es einen gegeben, bei dem die Vorlesung doch »eher langweilig« war, sagt Wünsche. »Da habe ich überlegt, ob ich bei dem schönen Wetter nicht lieber im Teutoburger Wald spazieren gehen soll.«
Dass er als Student meist älter als viele Professoren war, störte Wünsche nicht. »Es war interessant, wenn wir unserem Professor von einem Ereignis erzählen konnten, das er nur aus Geschichtsbüchern und wir aus eigener Erfahrung kannten,« sagt er. Trotz des Alters seien die Professoren nach den Veranstaltungen häufig mehr geschafft gewesen als ihre Studenten. »Wir haben auch während der Nachmittagssitzungen noch viel nachgefragt«, erklärt Wünsche. »Das waren sie von ihren Studenten nicht gewöhnt, da die dann oft schon nicht mehr aufmerksam waren.«
Dass ein Student geduldig und hartnäckig sein muss, habe er während des Studiums erst lernen müssen. «Einmal dauerte es ein halbes Jahr, bis ich endlich eine Hausarbeit wiederbekommen habe», sagt Wünsche. «Das war nervenaufreibend, immer und immer wieder nachfragen zu müssen.»
Dennoch zieht der ehemals selbstständige Betreiber eines Lebensmittelladens ein positives Fazit. «Anfangs war es nicht einfach wieder zu lernen, und bei der ersten Hausarbeit musste ich mich ziemlich anstrengen, aber später hatte ich mehr Routine», sagt Wünsche. Er habe sich schon seit langem weiterbilden wollen, aber leider hätten ihn die Angebote normaler Universitäten nicht angesprochen. Als er zwei Wochen vor Beginn zufällig von der Senioren-Uni erfuhr, zögerte er nicht und meldete sich sofort an.
Er hätte Lust weiterzumachen, sagt Wünsche. Und seine Frau Eva erzählt, dass nach den zwei Präsenztagen in Bad Meinberg «immer ein jüngerer Mann» zu ihr zurückgekommen sei. «Ich finde es schade, dass es nun vorbei ist», sagt sie. «Denn ich weiß, wie viel Spaß es meinem Mann bereitet hat.» Und das nicht nur aufgrund der Inhalte des Studiums. Es seien schöne Kontakte entstanden, die Wünsche auch beibehalten will. Deshalb kommt «der harte Kern» im September zu Besuch nach Arnsberg. Das Programm für den Tag hat sich der Geschichtsfan Wünsche natürlich schon überlegt: eine Stadtführung durch die historische Arnsberger Altstadt.
(ddp)
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