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Nach James Bond und Kerner

ddp - Dienstag, 22. Juli, 11:58 Uhr

Bregenz (ddp). Soviel «Tosca» war noch nie. Zuerst drehte eine britische Filmcrew Teile des neuen James-Bond-Films «Ein Quantum Trost» in der Kulisse von Giacomo Puccinis Opernklassiker. 007-Darsteller Daniel Craig lieferte sich dabei mehr als eine Verfolgungsjagd vor dem Riesenauge, das Regisseur Philipp Himmelmann und Set-Designer Johannes Leiacker für ihre letztjährige «Tosca»-Produktion auf der Bregenzer Seebühne ersonnen hatten. Und dann moderierte Johannes B. Kerner drei Wochen lang für das ZDF die Fußball-EM live aus der Opernkulisse. Mit der Wiederaufnahme von «Tosca» auf der weltgrößten Seebühne beginnen am Mittwoch (23. Juli) die Bregenzer Festspiele.

«Das Spiel auf dem See ist überdurchschnittlich gut gebucht», sagt Axel Renner, Sprecher der Bregenzer Festspiele. Das sei sicher auch auf den geballten Werbeeffekt von James Bond und der EM zurückzuführen. Karten sind aber noch vorhanden.

Insgesamt 23 Mal wird die «Tosca»-Inszenierung in ihrem zweiten Jahr gegeben. Allein für das Spiel auf dem See, das Herzstück der 63. Bregenzer Festspiele, sind etwa 160 000 Karten aufgelegt worden. Im vergangenen Jahr hatte das Spektakel 145 000 Menschen in seinen Bann gezogen. Dabei hatten Himmelmann und Leiacker alle Register der Bühnenkunst gezogen.

Blickfang der «Tosca»-Inszenierung ist ein riesiges Auge, das den Überwachungsstaat des römischen Polizeichefs Scarpia symbolisieren soll. In Puccinis meisterhafter Oper mit zahlreichen Ohrwurm-verdächtigen Melodien und gewaltigen Chor-Tableaus begehrt Scarpia die schöne Sängerin Floria Tosca, die allerdings in den Maler Mario Cavaradossi verliebt ist. Die Dreiecksgeschichte nimmt ein tragisches Ende. Der Sturz des füsilierten Malers - respektive eines Stuntmans - aus 26 Metern Höhe in den See zählt zu den dramatischen Höhepunkten des packenden Opernthrillers um Liebe, Macht und Eifersucht.

Wie in jedem Jahr präsentieren die Bregenzer Festspiele neben dem populären Spiel auf dem See auch wieder Fast-Vergessenes sowie Selten- oder Noch-Nie-Gehörtes. Diesmal hat sich Intendant David Pountney für Werke des österreichischen Exilkomponisten Ernst Krenek (1900-1991) entschieden. Im Festspielhaus wird Kreneks Oper «Karl V.» zu sehen sein. Das Bühnenwerk über das Leben des bedeutenden deutsch-römischen Kaisers ist die erste abendfüllende Zwölftonoper der Musikgeschichte und eines der Hauptwerke des in Wien geborenen Künstlers, der 1938 vor den Nazis in die USA floh.

Ein zweites selten gespieltes Werk Kreneks mit dem Titel «Kehraus um St. Stephan» kommt in der Operette am Kornmarkt heraus. In seiner «Satire mit Musik» beschreibt der Komponist mit viel schwarzem Humor die zwiespältige Stimmung der Wiener Zwischenkriegszeit. Auch die Orchesterkonzerte drehen sich um Werke Kreneks. Am Pult der Wiener Symphoniker stehen der Italiener Carlo Rizzi, der Engländer Chris Moulds sowie die junge chinesische Dirigentin Xian Zhang, «ein neuer, junger Stern am Dirigentenhimmel», wie die Festspielleitung meint.

Die Schauspiel-Sparte präsentiert unter anderem Thomas Manns Roman «Buddenbrooks» in einer Inszenierung des Wiener Theaters in der Josefstadt. Das Hamburger Thalia Theater gastiert mit dem Stück «Die Welt zu Gast bei reichen Eltern» des deutschen Dramatikers René Pollesch. Nicht fehlen darf die Avantgarde-Reihe «Kunst aus der Zeit» (KAZ) mit zeitgenössischer Musik. Alles in allem stehen in der vierwöchigen Festspielzeit bis 23. August 60 Veranstaltungen auf dem Spielplan.

(bregenzerfestspiele.com)

(ddp)

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