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München (ddp-bay). Einen Maßkrug müssen Gäste im Asam Schlössl lange suchen. Wer in der Münchner Gaststätte einen ganzen Liter Bier haben will, muss ausdrücklich danach fragen - auf der Karte steht die bayerische Traditionseinheit nicht. Fünf, sechs Maßkrüge stehen für den Notfall hinter der Theke bereit, der Rest wartet im Keller auf seinen Einsatz. Mehr als ein paar Dutzend Gläser liegen aber auch dort nicht im Regal. In vielen anderen Wirtshäusern sieht es ähnlich aus. Außer in Biergärten, beim Oktoberfest und im Hofbräuhaus kommen die Liter-Krüge nur selten auf den Tisch. Traditionalisten befürchten nun ein «Aussterben» der Maß und sehen die Schuld daran vor allem bei den Wirten.
Jan-Ulrich Bittlinger kämpft seit Jahren für volle Maßkrüge in München. Mit seinen Mitstreitern aus dem «Verein gegen betrügerisches Einschenken» streift er durch Kneipen und Wiesn-Festzelte, um nachzumessen, ob Wirte schummeln oder tatsächlich einen ganzen Liter Bier in die Krüge zapfen. Nun befürchtet der Verein, dass es bald nichts mehr zum Nachprüfen gibt. «Die Maßkrüge sind am Aussterben», klagt Bittlinger. In den meisten Kneipen gebe es die Krüge schon nicht mehr, und auch auf Volksfesten seien sie auf dem Rückzug. Selbst beim Oktoberfest - der Urheimat der Maß - hätten einige Wirte bereits auf 0,5-Liter-Gläser umgestellt, erzählt der Vereinschef empört.
Die Gründe für das Verschwinden sind für Bittlinger klar. «Da wird Kasse gemacht», schimpft er. Eine Bierpreiserhöhung sehe beim halben Liter nicht ganz so schlimm aus wie beim ganzen Liter. Manche Wirte würden die Umstellung noch dazu nutzen, um 0,4-Liter-Gläser einzuführen und die gewohnten Preise für halbe Liter beizubehalten - für den Bier-Kontrolleur eine «Todsünde». «Außerdem ist der Maßkrug in der Anschaffung teurer als kleinere Gläser», sagt er. Der Abschied von der Liter-Einheit habe für die Wirte also «rein wirtschaftliche Gründe». Dass dadurch eine Tradition verloren gehe, findet er «tragisch».
Beim Bayerischen Brauerbund winkt man ab. Vom Aussterben des Maßkruges könne «keine Rede» sein, sagt Verbandsgeschäftsführer Walter König. «Seitdem es die Halbe gibt, ist die Maß zwar in den meisten Gaststätten von der Karte verschwunden», sagte er, «aber man kriegt sie überall, wenn man danach fragt.» Die Trinkgewohnheiten der Menschen hätten sich verändert. «Insbesondere Frauen sind bei einem Liter oft überfordert und trinken lieber zwei Halbe», sagt er.
Darauf stellt sich auch das Asam Schlössl ein und serviert vor allem 0,5-Liter-Gläser. «Das hat mit Frische zu tun», sagt Wirtin Birgit Netzle-Piechotka. In Kneipen sei der ganze Liter nicht angesagt und werde «nur warm». Dort habe der Maßkrug aber ohnehin nie seinen festen Platz gehabt. «Der war von Anfang an für Biergärten gedacht», sagt sie. Wo die Bierbänke rappelvoll seien und die Kellner mit dem Servieren und Zapfen kaum nachkämen, mache das Litermaß Sinn - «um nicht auf dem Trockenen zu sitzen».
«Wir wären alle glücklich, wenn sich der Maßkrug auch in den Gaststätten wieder mehr durchsetzen würde», sagt Netzle-Piechotka. Am Zapfhahn würde es schneller gehen, die Kellner müssten nicht so oft laufen. «Aber der Gast bestimmt - und die Trinkgewohnheiten sind nun mal anders geworden», sagt sie. Zum Litermaß will sich die Münchner Wirtin nicht «verdonnern» lassen: «Ich stelle meinem Gast doch nicht einen Maßkrug hin, nur damit er nicht ausstirbt.»
Die Argumentation, dass die Kneipen nur den Wünschen der Gäste folgen, hält Bittlinger dagegen für «bodenlos» und vorgeschoben. «Alles Ausflüchte», wettert er, «wenn der Wirt die Maß nicht anbietet, gibt es auch keine Nachfrage danach.»
(ddp)
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