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Berlin (ddp). In der Debatte um die TV-Vermarktung der Bundesliga warnen Verantwortliche des deutschen Spitzenfußballs vor negativen Folgen für den Sport durch die Auflagen des Bundeskartellamts. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, sagte, er befürchte die Abwanderung von Topstars und Rückschläge für die Nationalelf, wenn die Behörde die Fernsehvermarktung einschränke und dem deutschen Fußball dadurch viel Geld entziehe. Das Kartellamt gefährde die internationale Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Fußballs, nicht nur bei den Klubs, sondern auch bei den Nationalmannschaften, sagte er.
Auch der Vizepräsident der Deutschen Fußball Liga (DFL) und Geschäftsführer des Bundesligisten FC Schalke 04, Peter Peters, kritisierte die Bedingungen des Kartellamts für die zentrale Ausschreibung der Bundesliga-TV-Rechte ab der Saison 2009. Die bisherigen Erlöse von zuletzt 420 Millionen Euro pro Saison seien nur deshalb erwirtschaftet worden, weil es einen Wettbewerb um die Übertragungsrechte zwischen dem frei empfangbaren Fernsehen und dem Pay-TV gegeben habe, sagte er. «Dieser Wettbewerb würde weitgehend entfallen.»
Der geplante Eingriff wäre ein «gravierender Wettbewerbsnachteil» im Vergleich zu anderen Ligen in Europa. «Das würde auch die Nationalmannschaft beschädigen», sagte er. Außerdem stelle sich die Frage, wie Vereine wie Aachen oder Augsburg auf dieser Basis noch «neue Stadien über 25 Jahre abbezahlen und in neue Nachwuchs- und Leistungszentren investieren» sollten. Die DFL-Spitze will der «Süddeutschen Zeitung» zufolge am Dienstag (22. Juli) bei einem Gespräch im Bundeskartellamt in Bonn versuchen, die Wettbewerbshüter umzustimmen.
Harsche Kritik am Kartellamt kam auch von den Privatsendern: Das Amt mache sich «zum Wasserträger der ARD», sagte der Präsident des Privatsenderverbandes VPRT, Jürgen Doetz. Die Position sei eine «massive einseitige Bevorzugung der ARD». Das Kartellamt wisse, dass es vor 20.00 Uhr keinen Wettbewerb bei Sportrechten gebe, «weil sich das kein Privatsender leisten kann».
Die Kartellbehörde hatte am Donnerstag die Genehmigung der zentralen Bundesliga-Rechtevermarktung über den Rechtehändler Sirius von Medienunternehmer Leo Kirch nur unter Auflagen freigegeben. Nach Auffassung der Wettbewerbswächter müssen Höhepunkte der Begegnungen am Samstag weiter vor 20.00 Uhr ausgestrahlt werden - ob im öffentlich-rechtlichen oder frei empfangbaren privaten Fernsehen.
Die DFL hatte Anfang Oktober 2007 mit Kirch für den Zeitraum 2009 bis 2015 ein neues Modell für die Fernsehvermarktung der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga vereinbart. Dabei garantiert Kirchs Agentur Sirius den Vereinen je Saison mindestens 500 Millionen Euro und übernimmt dafür die Vermarktung der Rechte in Deutschland. Das Kartellamt hatte sich eingeschaltet, weil es die zentrale Vermarktung prüfen wollte. Damit lag das Ausschreibungsverfahren monatelang auf Eis.
Der Verband ist den Angaben zufolge an den Einnahmen der Liga beteiligt. Der nunmehr gefährdete Vertrag zwischen Kirch und der Liga würde dem DFB nach Angaben von Zwanziger drei Millionen Euro mehr pro Saison bringen. «Dieses Geld fehlt uns dann für gemeinnützige Zwecke wie die Nachwuchsförderung, den Bau von Bolzplätzen und die Förderung des Ehrenamtes», sagte Zwanziger. Das Kartellamt solle die Folgen des geplanten Eingriffs bei der TV-Vermarktung des Liga bedenken, forderte er.
Der Bezahlsender Premiere, der bislang mehr Exklusivität für die noch ausstehende Ausschreibung einforderte, hatte auf die Mitteilung des Kartellamts gelassen reagiert. Premiere habe sich auf alle Szenarien vorbereitet und stets erklärt, auch für alternative Pakete wirtschaftlich seriöse Angebote abzugeben, hatte Sportvorstand Carsten Schmidt gesagt. Ein Sendersprecher hatte am Freitag auf Anfrage betont: «Wir können auch mit einer ´Sportschau´ um 18.30 Uhr leben.» Dann werde Premiere jedoch weniger zahlen.
(ddp)
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