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Vom Glück verlassen

ddp - Samstag, 19. Juli, 08:05 Uhr

Berlin (ddp). Hanna (Katharina Thalbach) steht vor einem unfreiwilligen Neuanfang. Nach der Schließung ihrer Fabrik muss sich die Arbeiterin in die lange Schlange der arbeitssuchenden Ostdeutschen einreihen. In ihrem Alter ist das gar nicht mehr so leicht. Doch es kommt noch schlimmer. Als Hannas einzige Tochter bei einem Autounfall ums Leben kommt, droht die alleinerziehende Mutter endgültig aus der Bahn geworfen zu werden. Doch die tapfere Frau lässt sich trotz der Schicksalsschläge nicht unterkriegen.

Mit «Du bist nicht allein» schuf Regisseur und Grimme-Preisträger Bernd Böhlich im Vorjahr eine warmherzige Plattenbaudramödie, die sich zum Überraschungshit im Arthauskino mauserte. «Der Mond und andere Liebhaber» knüpft an diesen Erfolg - zumindest thematisch - an. Wieder stehen die sogenannten kleinen Leute im Brennpunkt. Das Publikum muss diesmal allerdings tiefer zwischen den Zeilen graben, um Ansätze von Hoffnung und Zuversicht aufzuspüren.

Denn Hanna ist alles andere als ein Glückskind. Nicht genug damit, dass sie ihren Job und ihre Tochter verliert, auch in den kleinen Dingen des Alltags wird sie vom Pech verfolgt. Wenn sie in der Türkei Urlaub macht, erwischt sie die einzige Regenwoche des Sommers. Wenn sie mit Freunden zum Segeln fährt, herrscht Flaute. Und als sie ein kleines Restaurant übernimmt, wird kurz darauf die einzige Zufahrtsstraße systematisch abgesperrt.

Katharina Thalbach, die bereits in Böhlichs «Du bist nicht allein» zu sehen war, muss in der dominanten Hauptrolle viel erleiden. Für die gebürtige Berlinerin ist diese Aufgabe allerdings eine dankbare Übung. Wie kaum eine andere weiß Thalbach die gebeutelte Frau von nebenan zu verkörpern, die ohne zu zetern ihr persönliches Schicksal erträgt. So ist auch von Hanna keinerlei Wehklagen zu hören. Die Arbeiterin weiß ganz genau, dass sie sich nur selbst aus ihrem persönlichen Sumpf herausziehen kann.

Allein nach dem Tod der Tochter schwindet für einen kurzen Augenblick ihr Lebensmut. Doch dann rappelt sich Hanna noch einmal auf und startet einen Neuanfang. Und genau diese Lebensenergie ist es, die dem Film trotz aller Tragik eine gehörige Portion Zuversicht und durchaus leise Komik verleiht. Das Leben geht weiter, irgendwie.

Im direkten Vergleich mit «Du bist nicht allein» ist «Der Mond und andere Liebhaber» dennoch wesentlich trübsinniger und daher auch schwerer zugänglich. Dank seiner starken Hauptdarstellerin ist Böhlich trotzdem ein weiteres Drama gelungen, das ans Herz geht und dem Arthauskino somit einen neuerlichen Erfolg bescheren könnte.

(ddp)

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