Suche

Tiefensee bei den Leuchttürmen

ddp - Donnerstag, 17. Juli, 16:48 Uhr

Halle/Jena (ddp). Der Verkehrsminister ist in seinem Element. Der studierte Ingenieur Wolfgang Tiefensee steht in einer Versuchshalle des Fraunhofer Zentrums für Silizium-Photovoltaik in Halle und hält eine Solarzelle und ein silbriges Stück Silizium in der Hand. «Hier entsteht eine neue Branche», meint der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer und lächelt zufrieden. Wenn es gelinge, die Forschungsarbeit zu stabilisieren, könnten hier in den nächsten Jahren zehntausende Arbeitsplätze entstehen, ist sich der SPD-Politiker Tiefensee sicher.

In dem Hallenser Forschungsprojekt arbeiten Wissenschaft und Unternehmen gemeinsam an der Solarzelle der Zukunft. Bis spätestens 2015 soll der Wirkungsgrad der Zellen so weit erhöht werden, dass Solarstrom zum selben Preis wie Energie aus anderen Quellen angeboten werden kann. Neben dem Projekt in Halle besucht Tiefensee an diesem Tag noch zwei weitere sogenannte Spitzencluster in Jena und Dresden, bei denen Wissenschaft und Betriebe eng zusammenarbeiten. Solche Zukunftsbranchen seien «der Nerv der wirtschaftlichen Entwicklung in Ostdeutschland», betont Tiefensee. Schon heute kommen nach Firmenangaben knapp 90 Prozent aller in Deutschland produzierten Solarzellen aus Mitteldeutschland.

Tiefensee will auf seiner Reise bisherige Erfolge und künftige Bedürfnisse beim Aufbau Ost ausloten. Der SPD-Politiker ist spät dran mit seiner Reise. Bundeskanzlerin Merkel (CDU) hatte schon einige Wochen früher Sachsen-Anhalt besucht. Auch andere Unions-Spitzen waren bereits Ende Juni in Ostdeutschland ausgeschwärmt. Einige hatten dem Ostbeauftragten Tiefensee Visionslosigkeit und mangelndes Engagement unterstellt. Der Sozialdemokrat ist damit auch im Geiste seines Parteivorsitzenden Kurt Beck unterwegs, der kürzlich kritisiert hatte, die Union versuche dem Koalitionspartner «auch noch die letzte Butter vom Brot zu kratzen».

Auch in Halle fürchtet man um die «Butter auf dem Brot», wie es der Vertreter eines beteiligten Unternehmens formuliert. Allerdings bezieht sich die Angst hier eher auf die asiatische Konkurrenz auf dem Weltmarkt. Der Minister lässt sich die Wünsche der beteiligten Betriebe berichten, fordert aber auch mehr Engagement aus der Industrie. Bei den Investitionen in Forschung und Entwicklung seitens der Industrie gebe es in Ostdeutschland ein «riesiges Defizit», kritisiert Tiefensee. Ergänzend zur öffentlichen Förderung der Projekte müsse mehr passieren, um «möglichst schnell einen selbsttragenden Aufschwung zu erreichen». Während im Westen rund 54 Milliarden Euro in die Industrieforschung investiert würden, seien es im Osten etwa 1,5 Milliarden Euro. Die Frage sei, ob der Osten immer noch die «verlängerte Werkbank des Westens» ist.

Aber auch hier wird Tiefensee den Gegenwind nicht los. Ein Staatssekretär aus dem CDU-geführten Magdeburger Wirtschaftsministerium fährt ihm in die Parade. Mehr als eine Milliarde Euro an Investitionen seien gerade «in der Pipeline», sagt Detlef Schubert und betont, dass die weitere Entwicklung nur mit der Industrie gelingen könne. Das sieht Tiefensee freilich ebenso: «Wir sind auf die Industrie angewiesen», sagt er.

(ddp)

Foren

Copyright © 2008 Yahoo! Alle Rechte vorbehalten.