ddp
Köln (ddp-nrw). Am Kölner Landgericht hat am Dienstag der Prozess gegen einen 57-jährigen Mann und dessen 32 Jahre alte Tochter begonnen, die einen Rentner mindestens fünf Jahre lang in ihrer Wohnung gefangen gehalten und ausgebeutet haben sollen. Die Anklage wirft ihnen Misshandlung von Schutzbefohlenen und Untreue in 120 Fällen vor. Vater und Tochter sollen den Rentner unter Androhung von Gewalt dazu gezwungen haben, ihnen seine monatliche Rente zu überlassen.
Während sich die beiden Angeklagten zum Prozessauftakt nicht äußern wollten, erklärte das Opfer, es sei immer wieder geschlagen und verprügelt worden. Der Staatsanwalt sagte, man habe den Mann wie einen eingeschüchterten Hund in der Wohnung gehalten. Der unter Betreuung stehende 72-Jährige habe die Wohnung putzen müssen. Um ihn zu maßregeln, habe man ihn bei Minustemperaturen auf den Balkon gesperrt.
Laut Staatsanwaltschaft hatten die Angeklagten den alleinstehenden Rentner in ihrer Wohnung aufgenommen. Gegenüber Dritten sollen sie sich dabei als Angehörige oder Betreuer des Opfers ausgegeben haben.
Der Mann erklärte vor Gericht, es habe nur selten etwas zu essen gegeben. Seine Notdurft hätte er nur in einem Eimer verrichten dürfen. Geschlafen habe er auf Pappe, eine Matratze habe ihm nicht zur Verfügung gestanden. Aus Angst vor Vater und Tochter habe er beiden seine monatliche Rente in Höhe von 500 Euro überlassen. Damit er sich kein Geld hätte nehmen können, habe man ihm die Hosentaschen zugenäht. Seiner Betreuerin habe er beim Abholen des Rentenschecks nichts von seiner Notlage erzählt, weil Vater und Tochter ihm verboten hätten, in der Öffentlichkeit zu sprechen.
Im Prozess sollen insgesamt knapp 50 Zeugen gehört werden. Fünf Verhandlungstage sind geplant. Den beiden Angeklagten drohen bis zu zehn Jahre Haft.
(ddp)
Prozesse
Aktuelle Gerichtsverhandlungen
Copyright © 2008 Yahoo! Alle Rechte vorbehalten.