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«Gastlicher Ort für den freien Geist»

ddp - Montag, 14. Juli, 13:49 Uhr

Halle (ddp). Die Leopoldina in Halle ist zur Nationalen Akademie der Wissenschaften ernannt worden. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) überreichte dem Präsidenten der Leopoldina, Volker ter Meulen, bei einem Festakt am Montag die Ernennungsurkunde.

Bundespräsident Horst Köhler, Schirmherr der neuen Nationalen Akademie, würdigte diese als «gastlichen Ort für den freien Geist». Deutschlands Teilung habe diese «Gelehrtenrepublik» zwar belastet, aber nicht zerstört. Mit zum Teil persönlichen Opfern hätten gerade auch die ostdeutschen Mitglieder die internationale Ausrichtung der Leopoldina bewahrt und damit eine Tradition, «an die wir heute anknüpfen».

Köhler betonte, die Beratung von Politik sei heute angesichts globaler Herausforderungen wichtiger denn je, da auf Regierungen komplexere Fragen zukämen und die Folgen ihres Handels schwerwiegender seien. Köhler hob auch die Bedeutung der Beratung für die Öffentlichkeit hervor. Darum dürfe es «kein Fachchinesisch aus dem Elfenbeinturm» geben.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) sprach von einem historischen Ereignis für ganz Deutschland. Er dankte Schavan, sich um die Nationale Akademie bemüht zu haben, stellte jedoch klar, dass keine ostdeutsche Einrichtung diesen Titel erhalten habe: «Die Leopoldina war immer eine gesamtdeutsche Akademie».

Schavan sagte, Qualität und Ausstrahlung hätten die Lepoldina in die Rolle einer nationalen Akademie hineinwachsen lassen. Mit der Ernennung sei nun geschehen, was «überfällig» war. Der Leopoldina seien damit nun offiziell Aufgaben übertragen worden, die sie zum Teil längst wahrgenommen habe.

Leopoldina-Präsident ter Meulen kündigte an, ein Koordinierungsgremium zu bilden. Darin sollten sich Vertreter der Leopoldina mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) und der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) über Themen verständigen, Arbeitsgruppen einsetzen und Empfehlungen verabschieden.

Wichtiges Projekt der Akademie ist für ter Meulen derzeit die Untersuchung der alternden Gesellschaft. Die Demografie übe einen enormen Veränderungsdruck auf alle Bereiche der Gesellschaft aus, sagte er. Studien sollten nun zeigen, welche Faktoren sich beeinflussen lassen. Daneben gehe es um Teilaspekte anderer großer Entwicklungen, etwa der des Klimas, der Energieversorgung, der Ernährung oder der Gesundheit, um praktische und ethische Fragen der regenerativen Medizin und der Gentechnik in diesem Bereich.

Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz der Länder und des Bundes hatte am 18. Februar die Ernennung der Leopoldina beschlossen und war damit einem Vorschlag Schavans gefolgt. Ab 2009 vorgesehene zusätzliche Mittel von rund 2,5 Millionen Euro übernehmen zu 80 Prozent der Bund und zu 20 Prozent das Land Sachsen-Anhalt.

Die seit 1878 in Halle ansässige Akademie der Naturforscher Leopoldina soll als Nationale Akademie künftig die deutsche Wissenschaft international repräsentieren und mit anderen Einrichtungen eng zusammenarbeiten.

(ddp)

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