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Mehr Wertschätzung für Weinbausteillagen

ddp - Donnerstag, 10. Juli, 13:04 Uhr

Saint Vincent/Bernkastel-Kues (ddp-rps). Die Internationale Vereinigung der Regionen mit Berg- und Steillagenweinbau, Cervim, setzt sich für eine touristische Aufwertung von Regionen mit Weinbausteillagen ein und fordert deren Anerkennung als Unecso-Weltkulturerbe. Hintergrund sind laut Aussage von Cervim-Präsident François Stevenin auch Befürchtungen, dass große neue Betriebe in den östlichen EU-Staaten wie Rumänien für die Steillagenwinzer existenzbedrohend werden könnten. Der Oberlandwirtschaftsrat am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel in Bernkastel-Kues, Arno Simonis, betonte indes, Steillagen seien zwar arbeitsintensiv, könnten aber inzwischen durch den Einsatz moderner Maschinen durchaus rentabel betrieben werden.

Im Steillagenweinbau hat daher ein Umdenken eingesetzt, wie der Leiter des Weinbauamtes Wittlich, Stephan Reuter, beim 16. Internationalen Wettbewerb der Bergweine im italienischen Saint Vincent sagte. Die Flachlage werde heute nicht mehr auf Kosten der Steillage angepflanzt. Stattdessen profitiere der Winzer heute eher von beidem: «Wenn es in der Ebene gut läuft, ist auch das Geld für die Steillage da», sagte Reuter.

Waren Steillagen zuvor aufgrund der großen Arbeitsintensität in besonderem Maße von Stilllegungen betroffen, sei 2007 erstmals wieder ein Zuwachs bei Anpflanzungen in Steillagen zu verzeichnen gewesen, sagte Simonis. Steillagenweine brächten meist hervorragende Qualitäten und könnten dem Winzer zu individuellen Weinen verhelfen. Wichtig sei aber, dieses Bild auch den Kunden zu vermitteln. Die Winzer seien deshalb gut beraten, nicht primär «das Schaffen und den Schweiß» in den Vordergrund zu stellen, sondern eher die Romantik der Landschaft. «Wir müssen vermitteln: ´steil ist geil´», sagte Simonis.

Unterstützung erhält er darin von Cervim-Präsident Stevenin, der mit Blick auf den Steillagenweinbau auch vom «heroischen Weinbau» spricht und fordert, diese Flächen generell als Unesco-Weltkulturerbe anzuerkennen. Denn die durch den Steillagenweinbau geprägten Landschaften seien für die Touristen attraktiv. Der Weinbau werde aber oft aber nur als Teil des Tourismus gesehen, dabei sei er in Wahrheit die «Eintrittskarte», sagt Stevenin.

Die Ende Juli 1987 gegründete Cervim vertritt 17 Regionen aus acht europäischen Ländern, dazu zählen die rheinland-pfälzischen Weinanbaugebiete Mittelrhein, Mosel, Ahr und Nahe. Mitglied werden können Regionen, in denen der Weinbau entweder in Bergregionen höher als 500 Meter, auf Terrassen oder in Steillagen von mehr als 30 Prozent Hangneigung stattfindet. Das sind insgesamt etwa vier Prozent aller Weinberge in Europa.

Steillagenweine seien durch die besonderen Böden wie etwa Schiefer oft herausragende Weine, sagte der Weinbauberater vom DLR Mosel, Stefan Hermen. Die Einzigartigkeit der Steillagen sei für die Mosel «die Chance, sich abzusetzen». Die Winzer müssten dieses Alleinstellungsmerkmal aber für ihre Kunden noch stärker erlebbar machen. Dazu brauche es speziell ausgebildete Weinführer, die das Besondere der Menschen, der Region und ihrer Lebensart vermitteln könnten. Diesem Thema soll sich nun auch ein Zukunftskongress in Bernkastel-Kues am 3. September widmen, bei dem es speziell um die Zukunft des Steillagenweinbaus geht. Erwartet werden rund 120 Experten aus sechs europäischen Regionen.

Das Weinbaugebiet Mosel hatte seit Anfang der 80er Jahre mit erheblichen Strukturveränderungen zu kämpfen. Seit 1980 ging die Menge der Weinbergsflächen von rund 12 500 Hektar auf 8700 Hektar zurück. 3600 Hektar, rund 40 Prozent, sind sogenannte Steillagen mit einer Hangneigung von über 30 Prozent.

(ddp)

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