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Von Geldgier getrieben

ddp - Mittwoch, 9. Juli, 16:03 Uhr

Berlin (ddp). Der Überfall sollte «ohne Schießen» über die Bühne gehen. Der Wachmann sollte «entwaffnet», dann der Geldkoffer entrissen werden und das Sturmgewehr nur eine «Drohkulisse» sein. Die Angeklagten setzten nach eigenen Angaben auf das «Überraschungsmoment». Mit der Gegenwehr des Wachmannes hatte offenbar keiner so richtig gerechnet.

Zu Prozessbeginn am Mittwoch haben die mutmaßlichen Mörder von Gerhard W. den Raubüberfall in Belin gestanden. In dem Verfahren vor dem Landgericht räumte der mutmaßliche Todesschütze Walter L. ein, «zu leichtsinnig und zu gierig aufs Geld» gewesen zu sein. Den Tod des 53-jährigen Familienvaters habe aber keiner von ihnen gewollt. Er habe die Waffe zur «Verteidigung» gezogen, weil der Wachmann sofort geschossen habe. Er habe versucht, auf die Beine zu zielen, ließ der Angeklagte seinen Verteidiger erklären. Aus Sicht des Anwalts muss das Gericht prüfen, ob es tatsächlich Mord war oder ob die Angeklagten «nur die eigene Haut retten wollten».

Die Staatsanwaltschaft sieht das anders. Sie wirft Bernd M., Walter L. und Jens-Olaf S. gemeinschaftlichen Mord aus Habgier sowie Raub mit Todesfolge vor. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass die Männer im Alter zwischen 53 und 56 Jahren billigend in Kauf nahmen, dass beim Einsatz der Waffe ein Mensch getötet wird. Am 29. Oktober vorigen Jahres sollen sie verkleidet, mit Vorschlaghammer und Sturmgewehr bewaffnet, den Geldtransporter vor einer Postfiliale überfallen und dabei den 53-jährigen Wachmann getötet haben.

Als Wachmann Gerhard W. den Koffer in die Post bringen wollte, sollen Bernd M. und Jens S. hinter einem Gebüsch hervorgesprungen und auf ihn zugekommen sein. Bernd M. hatte laut Anklage einen Vorschlaghammer in der Hand. Der Geldbote hatte die Gefahr aber offenbar erkannt. Er habe den Geldkoffer fallen lassen, «zur Verteidigung» seinen Revolver gezogen und in Richtung der beiden Angreifer geschossen, heißt es.

Doch der Familienvater hatte keine Chance. Walter L., der sich als normaler Postkunde mit einem Paket im Arm vor dem Eingang postiert hatte, soll das Sturmgewehr aus dem Karton geholt und geschossen haben. Die Waffe soll er zuvor von Bernd M. erhalten haben. Der 54-Jährige gilt als besonders gefährlich. Wegen Mordversuchs hat Bernd M. schon zehn Jahre in Haft gesessen.

Wachmann Gerhard W. wurde von fünf Kugeln getroffen und starb noch am Tatort. Die Angeklagten konnten mit dem Geldkoffer samt 242 000 Euro zunächst fliehen. Auf der Flucht platzte jedoch die «Farbbombe», sodass ein Großteil der rot eingefärbten Geldscheine unbrauchbar wurde. Auch waren zwei von ihnen von den Schüssen des Wachmannes verletzt worden. Anhand einer Blutspur konnte die DNA von Bernd M. identifiziert werden. Im Körper von Jens-Olaf S. steckt bis heute eine Kugel aus der Waffe des Opfers. Auch Walter L. wurde eigenen Angaben nach von einer Kugel am Bein verletzt. Ob aus der Waffe des Wachmanns oder von einem Querschläger aus seinem Gewehr, blieb offen.

Auf einer Fahrradtour durch die Stadt war den «Uraltfreunden» Bernd M. und Walter L. die Idee zu dem Überfall gekommen. Anstatt eines «älteren gesetzten Herrn», den sie zuvor bei ihren Erkundungen als Geldboten beobachtet hatten, sahen sie sich plötzlich Gerhard W. gegenüber, der «bedrohlicher und aggressiver» gewirkt habe. «Der hob die Waffe und richtete sie in Brusthöhe auf mich», hieß es in einer schriftlichen Erklärung von Jens-Olaf S. Nach dem Treffer seien ihm das Geld und das Schicksal der Mittäter dann «völlig egal» gewesen. Er habe nur noch weggewollt. Er habe «theoretisch» nur den Wachmann entwaffnen und das Fluchtauto fahren sollen. Von dem Sturmgewehr habe er erst nach der Tat erfahren. Er fühle sich aber für den Tod des Wachmannes moralisch mit verantwortlich, sagte der 56-Jährige.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

(ddp)

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