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Warnemünde (ddp-nrd). Für Gesundheitsprävention in allen Lebensbereichen haben sich die Teilnehmer der nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft am Mittwoch in Warnemünde ausgesprochen. Deutschland sei auf dem besten Wege, Europameister in den Kategorien Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu werden, sagte Kongresspräsident und Mediziner Horst Klinkmann. Das könne man nur ändern, wenn man mit Präventionsangeboten auch jene in ihren Lebenswelten erreiche, die aus sozialen oder wirtschaftlichen Gründen zu wenig auf ihre Gesundheit achteten.
Mecklenburg-Vorpommern will da mit gutem Beispiel vorangehen. Nachdem der Bund einen Aktionsplan gegen Fehlernährung, Bewegungsmangel und Übergewicht aufgelegt hat, zog der Nordosten als bislang einziges Bundesland mit einem eigenen Präventionsplan nach. Er listet Kooperationspartner sowie Projektideen auf, die in den Bereichen Schule, Familie, Arbeitswelt und Kommunen umgesetzt werden könnten. Dazu gehören Fortbildungsangebote für Erzieher, das vom Land geförderte Projekt «Gesunde Schule», Stressbekämpfungsprogramme und Telemedizin-Projekte.
Der Nordosten ist dafür ein großes Experimentierfeld, wie Klinkmann betonte. Das Land setze einerseits frühzeitig auf die Branche Gesundheitswirtschaft und habe Netzwerke geschaffen. Andererseits mache Mecklenburg-Vorpommern unrühmliche Schlagzeilen mit überdurchschnittlich vielen Alkoholkranken, Rauchern und Übergewichtigen. In der Gesundheitsförderung gebe es viele Reserven, vor allem innerhalb der Familien, sagte auch Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD). «Wir müssen ein Umfeld schaffen, in der eine gesunde Entwicklung möglich ist. Dazu gehört auch die Förderung von Bildung.»
Zu Präventionsangeboten müssen nach Ansicht der Konferenzteilnehmer auch die Krankenkassen und Versicherungen gesetzlich verpflichtet werden. Gesundheitsvorsorge finde bei den Krankenkassen bislang vorwiegend für einzelne Versicherte oder als Marketinginstrument statt, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Rolf Schwanitz, in Warnemünde. Diese Angebote erreichten aber nur jene, die ohnehin in diesen Bereich investierten. Es gebe kaum Angebote beispielsweise für Arbeitslose oder in Wohngegenden mit sozial schwachen Bewohnern, «da ist Vorsorge gänzlich uninteressant für die Kassen», kritisierte Schwanitz. Ein Präventionsgesetz, ähnlich wie es in Österreich und der Schweiz bereits umgesetzt sei, könnte das ebenso ändern wie die Einbindung der privaten Kassen.
Knapp 700 Experten aus Wissenschaft, Sport, Wirtschaft und Politik hatten sich auf der zweitägigen Branchenkonferenz mit Ernährung und Bewegung befasst. Die Konferenzteilnehmer selbst nahmen das Thema beim Wort und ließen sich auf ihre körperliche Fitness testen. Der Durchschnitt der ermittelten Body-Mass-Index-Werte ergab 25,6, das liegt leicht über dem Normbereich. Knapp die Hälfte der Probanden hatte einen erhöhten oder einen deutlich erhöhten Bauchumfang.
Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums ist fast jeder zweite Erwachsene körperlich nicht oder zu wenig aktiv. Die Hälfte der Deutschen gilt als übergewichtig, damit ist das Land Spitzenreiter in Europa.
(ddp)
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