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Bundeswehr-TV in der Bredouille

ddp - Mittwoch, 9. Juli, 12:37 Uhr

Sankt Augustin (ddp). Der eigene TV-Sender der Bundeswehr «bwtv» will die Soldaten in den Auslandseinsätzen informieren und unterhalten. Doch wegen seines «Quotentiefs» ist der Fernsehkanal in die Bredouille geraten. Die einen finden ihn «öde», die anderen möchten ihn «nicht missen». Die Fernsehmacher der Informations- und Medienzentrale der Bundeswehr in Sankt Augustin bei Bonn verteidigen ihr Produkt. Das Verteidigungsministerium in Berlin erwartet bis Jahresende das Ergebnis einer «Wirtschaftlichkeitsuntersuchung» des Senders, für den die Bundeswehr pro Jahr rund sechs Millionen Euro aufbringt.

Der frühere Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) und Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan hatten vor sechs Jahren die Idee für «bwtv» als Medium der Truppeninformation. Später sollte «bwtv» vor allem die Soldaten im Auslandseinsatz fern der Heimat «bedarfs- und situationsgerecht informieren». Es sollte eine «Brücke zur Heimat geschlagen werden»: Neuigkeiten aus Politik, Dokumentationen, militärische Lehrfilme, Sport und Unterhaltung mit Filmen, die den harten Alltag der Soldaten im Auslandseinsatz in Afghanistan und auf dem Balkan «bereichern» sollen.

An jedem Tag gibt es aus Sankt Augustin zwei aktuelle Nachrichtensendungen: Um 09.00 Uhr fünf Minuten Kurznachrichten, um 11.45 Uhr ein 15 Minuten lang gestaltetes Magazin. Damit möglichst viele Soldaten bei ihren unterschiedlichen Einsatzzeiten «bwtv» sehen können, werden die Sendungen in Abständen sechsmal wiederholt. Es gibt allerdings keine Nachrichten aus aller Welt. Für «bwtv» arbeiten in Sankt Augustin 15 Redaktionsmitarbeiter, journalistisch ausgebildete Offiziere und Zivilisten, sowie rund 50 Produktionsmitarbeiter. Fünf Fernsehteams sind ständig im Einsatz.

Nach all den Jahren ist jetzt über das Pilotprojekt «bwtv» angesichts seiner erheblichen Kosten und des Quotentiefs ein Streit über seine «Existenzberechtigung» ausgebrochen. Der Koordinator der zentralen Truppeninformation im Verteidigungsministerium, Oberstleutnant Uwe Tautges, sagte der Nachrichtenagentur ddp: «Auf die Frage, ob sie in ihrem laufenden Einsatz beziehungsweise in ihrem letzten Einsatz bwtv gesehen haben, antworteten 36 Prozent der befragten Soldatinnen und Soldaten mit Ja und 64 Prozent mit Nein».

Fast zwei Drittel der Soldaten haben nach Angaben von Tautges berichtet, dass sie in ihrem Einsatz noch nie «bwtv» gesehen. Zwischen den einzelnen Kontingenten seien allerdings erhebliche Unterschiede beobachtet worden. So hätten zwei Drittel der bei den ISAF-Truppen in Afghanistan eingesetzten Soldaten - 68 Prozent - «bwtv» verfolgt. Im Mittelpunkt des Interesses hätte der «Betreuungsanteil» mit Sportübertragungen und Spielfilmen gestanden. Sie werden außerhalb der ständigen Programmblöcke gesendet. Nachrichten würden «eher nebenbei gesehen». Nach Darstellung von Tautges gibt es Untersuchungen, ob und inwieweit private Anbieter die TV-Aufgaben für die Soldaten nicht ebenso gut oder besser und wirtschaftlicher übernehmen könnten.

Der Leiter der Informations- und Medienzentrale und für «bwtv» verantwortliche Offizier, Oberst Thomas Beier, wies dagegen im ddp-Gespräch am Mittwoch in Sankt Augustin darauf hin, dass nach einem Gutachten des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr vom Februar 2008 das Bundeswehr-Fernsehen 50 Prozent aller befragten Soldaten bekannt sei. Jeder sechste - 17 Prozent - schaue es täglich. Wenn man bedenke, dass die Soldaten auch andere Fernsehprogramme, ARD und ZDF, verfolgten, sei das eine «durchaus befriedigende Quote».

«Die Grundstimmung der Soldaten zu ihrem Fernsehen ist sehr positiv», unterstrich Beier. Die Truppe im Einsatz würde soziale, kulturelle und politische Themen «anmahnen», erläuterte er. Aber «bwtv» bemühe sich auch, die Soldaten mit Übertragungen von Sportereignissen vom Einsatzalltag abzulenken. So werde es von den Olympischen Spielen in China ausführliche Sendungen geben. Die Soldaten hofften darauf, dass der Service von «bwtv» bestehen bleibe. In diesem Sinne hatte sich vor einiger Zeit schon der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe, geäußert.

(ddp)

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