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Mainz (ddp-rps). Das Land Rheinland-Pfalz will die Pläne für den Bau einer Brücke über das Mittelrheintal vorantreiben. Nach der Sommerpause solle ein Architekturwettbewerb für eine Brücke bei Wellmich, nördlich von St. Goarshausen, gestartet werden, sagte Verkehrsminister Hendrik Hering (SPD) am Montag in Mainz. Das Land halte rund 40 Millionen Euro bereit, um den Bau zu realisieren. Mit der Gewinnung des «allerbesten» Architekten wolle man schließlich auch die UNESCO davon überzeugen, dass ein Brückenbau mit dem Status Weltkulturerbe vereinbar sei. Die FDP kritisierte unterdessen die Landesregierung für den «Stillstand» in Sachen Rheinquerung.
Das UNESCO-Welterbekomitee hatte sich am Wochenende anders als erwartet bei der Frage nach einer Querung im Mittelrheintal noch nicht auf eine konkrete Linie festgelegt. Stattdessen wurde eine Umweltverträglichkeitsprüfung für die in Frage kommenden Modelle, Brücke und Tunnel, gefordert. Hering hält nun auch eine Brückenlösung weiter für möglich. Diese war vor der Sitzung von Beratern der UNESCO stark kritisiert worden.
Nach dem Architektenwettbewerb und einer Verkehrsprüfung könne im Sommer 2009 ein Raumordnungsverfahren für die Brücke gestartet werden, sagte Hering. Ab 2014 sei eine Ausschreibung möglich, frühestens in zehn Jahren werde dann eine mögliche Brücke stehen. «Allerdings nur, wenn es keine langwierigen Klageverfahren gibt», sagte Hering.
Der Verkehrsminister machte erneut klar, dass keine Lösung ohne die UNESCO forciert werde. «Das Land ist eher bereit, auf eine Brücke zu verzichten als auf das Weltkulturerbe», sagte er. So habe man auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung für den Standort Wellmich gestoppt, damit die UNESCO nicht den Eindruck erhalte, Rheinland-Pfalz schaffe Fakten. Jetzt werde die Umweltverträglichkeitsprüfung im Sinne der UNESCO weitergeführt und abgeschlossen.
Eine architektonisch anspruchsvolle Brücke sei weiterhin wesentlich günstiger als ein Tunnel, erklärte Hering. Dieser würde etwa 80 Millionen Euro kosten. Außerdem könnten Fußgänger und Radfahrer einen Tunnel nicht nutzen. Eine Brücke wäre deshalb für den Fremdenverkehr besser.
Der Landrat des Rhein-Lahn-Kreises, Günter Kern (SPD), sagte, dass die Zustimmung im Mittelrheintal für das Projekt groß sei. Mit der Brücke komme ein wirtschaftlicher Aufschwung in die Region, zeigte er sich überzeugt. Derzeit gehe dort die Zahl der Arbeitsplätze gegen den allgemeinen Trend zurück.
Die Finanzierung einer Brücke soll gemeinsam von Land und Landkreisen übernommen werden. Das Land würde rund 36 Millionen Euro der Kosten übernehmen, vier Millionen Euro müssten der anliegende Rhein-Lahn-Kreis und der Rhein-Hunsrück-Kreis aufbringen. Hering versicherte, dass das Geld des Landes aus einem Sondertopf komme. Andere Straßenbauprojekte in Rheinland-Pfalz würden nicht beeinträchtigt.
Die FDP kritisierte Hering am Montag für die Verzögerung bei den Plänen zur Rheinquerung. Hering habe 2006 eine bestehende Planung «beiseite gewischt", sagte der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Günter Eymael. Seitdem herrsche in der Sache nur Stillstand und Verzögerung. Durch die Absprache mit der UNESCO sei ein Jahr vergangen, in dem nichts passiert sei. Wenn nun 2014 als frühestmöglicher Zeitpunkt genannt werde, hoffe er, dass dies für die Brücke «keine Beerdigung erster Klasse» bedeute, sagte Eymael.
(ddp)
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