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Wirbel um Gammelkäse

ddp - Sonntag, 6. Juli, 18:31 Uhr

München/Woringen (ddp-bay). Ein Skandal um verdorbenen Käse hat am Wochenende in Bayern für Wirbel gesorgt. Wegen einer möglichen Verwicklung in den Handel mit vergammeltem Käse in Italien wurde am Freitagabend ein kleiner Betrieb im schwäbischen Woringen durchsucht und vorerst geschlossen. Die Vorwürfe gegen den Betrieb könnten bisher weder bestätigt noch dementiert werden, sagte der Sprecher des bayerischen Verbraucherschutzministeriums, Roland Eichhorn, am Sonntag auf ddp-Anfrage in München. Dem «ersten Eindruck» zufolge sei die Firma jedoch «ordentlich und unauffällig». Nach Angaben des Ministeriums könnte es sich bei dem vermeintlichen Skandal um einen zwei Jahre alten Fall handeln. «Vollständige Entwarnung» wollte die Behörde jedoch nicht geben.

Polizei, Staatsanwaltschaft und Lebensmittelfahnder hatten am Freitag in dem Betrieb Proben genommen, Akten durchforstet sowie Unterlagen und Computer sichergestellt. Die Untersuchungen und Auswertungen liefen derzeit, sagte Eichhorn. Mit ersten Ergebnissen sei frühestens Mitte der Woche zu rechnen. Bis dahin würden keine Produkte des Unternehmens in den Handel gelangen. Wie lange die Firma in Woringen geschlossen bleibe, sei noch unklar.

Nach Polizeiangaben handelt es sich bei dem Schmelzkäsehersteller in Woringen um einen kleinen Betrieb mit etwa zehn Mitarbeitern. Den bisherigen Erkenntnissen nach sei offenbar kein weiterer Betrieb in Bayern in den Skandal verwickelt.

Laut italienischen Medienberichten sollen mehrere Unternehmen systematisch verdorbenen Käse aus Italien zu Schmelzkäse verarbeitet und diesen in Supermärkten angeboten haben. Den Berichten zufolge wurden die vergammelten Reste auch in der schwäbischen Firma aufbereitet. Die Kontrolle des Betriebes sei allein auf der Basis dieser Medienberichte angeordnet worden, sagte Eichhorn. Offizielle Informationen von den italienischen Behörden zu einer möglichen Verwicklung des bayerischen Betriebes habe das Ministerium «zu keiner Zeit» bekommen.

Bayerns Verbraucherschutzminister Otmar Bernhard (CSU) griff Italiens Behörden deswegen scharf an. Über die mögliche Verstrickung des Woringer Betriebes in den Fall hätte Bayern «unbedingt» informiert werden müssen, sagte er. Es sei nicht das erste Mal, dass so etwas vorkomme. Bei weiteren Versäumnissen solle die Europäische Union ein Verfahren gegen Italien erwägen, forderte der CSU-Politiker.

Die italienischen Verantwortlichen hatten sich am Freitagabend zu den Vorfällen geäußert. Über das europäische Schnellwarnsystem hatten die Behörden über den Handel mit verdorbenem Käse bei einer Firma im norditalienischen Cremona berichtet. Dieser Betrieb sei jedoch bereits im März 2006 von italienischen Kontrolleuren inspiziert worden, sagte Eichhorn. Die Produktion sei daraufhin eingestellt und die vergammelte Ware entsorgt worden. Im Juni 2007 hätten die italienischen Behörden die Firma geschlossen. Derzeit laufe die Gerichtsverhandlung zu dem Fall, in den auch die schwäbische Firma verwickelt gewesen sein soll.

Ob es anschließend weitere Betrügereien gegeben habe, sei bislang unklar, sagte Eichhorn. Beim Bundesverbraucherschutzministerium hieß es, bislang gebe es «keine Hinweise», dass aktuell eine Gesundheitsgefahr bestehe. Vollständige Entwarnung könne er aber noch nicht geben, betonte Eichhorn.

Das Vorgehen des bayerischen Ministeriums stieß bei der SPD auf heftige Kritik. In den Medien sei schon am Nachmittag über die geplante Razzia berichtet worden, monierte der bayerische SPD-Verbraucherschutzexperte Herbert Müller. Die eigentliche Kontrolle habe aber erst am Abend begonnen. «Ein Zeitraum von drei Stunden und mehr ist für ein gut organisiertes Unternehmen sicherlich ausreichend, um belastendes Material abzutransportieren», sagte er.

Eichhorn wies die Kritik als «lächerlich» zurück. Italienische Medien hätten bereits am Freitagmorgen von dem Fall berichtet. Weil der Skandal vermutlich zwei Jahre alt sei, sei es ohnehin «absurd, über Stunden zu reden».

(ddp)

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