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Burgkunstadt (ddp-bay). Kultusminister Siegfried Schneider (CSU) konnte das leistungsstarke Bildungsland Bayern in seiner Regierungserklärung am Donnerstag im Münchner Landtag gar nicht genug loben. Die Realität rund 280 Kilometer weiter nördlich sieht allerdings anders aus. Am Gymnasium im oberfränkischen Burgkunstadt ist der Lehrermangel so eklatant, dass dort seit kurzem zwei Abiturientinnen als Pädagogen engagiert wurden.
«Eingeschränkt glücklich» sei er darüber, betonte Schulleiter Werner Fischer dem Radiosender Antenne Bayern. Er würde sich wünschen, dass so etwas «in Zukunft möglichst nicht mehr nötig wird», sagte er mit Blick in Richtung Landeshauptstadt. Es handle sich um eine «kurzfristige, kleinmaßstäbige Ausnahmeregelung», von einem «Modellfall» könne nicht gesprochen werden, erläuterte der Oberstudiendirektor und stimmte zumindest darin mit dem Kultusministerium überein. Die beiden Schülerinnen als Lehrerersatz seien «kein Patentrezept», sagte eine Ministeriumssprecherin auf ddp-Anfrage. Es handle sich um eine «absolute Ausnahme» im Freistaat und eine «Notlösung».
Zu der Notlösung kam es, weil das Burgkunstadter Gymnasium nach eigenen Angaben von überdurchschnittlich vielen Krankheitsfällen bei Lehrern betroffen war. Als Anfang Juni ein weiterer Ausfall hinzukam, habe dies nicht mehr innerhalb des Lehrerkollegiums ausgeglichen werden können. Da er auch außerhalb der Schule nicht fündig geworden sei, sei die Idee entstanden, sich auf diese Weise zu helfen, erläuterte Direktor Fischer.
Die Wahl, die laut Fischer nach «knallharten Kriterien» verlaufen sei, fiel schließlich auf die 18-jährige Katharina und die ein Jahr ältere Alexandra. Beide hatten bis vor kurzem noch selbst die Schulbank gedrückt und haben gerade erst ihr Abitur bestanden. Jetzt gestalten sie in der sechsten Klasse den Englisch-Unterricht.
«Ganz komisch» sei es am Anfang gewesen, plötzlich auf der anderen Seite zu stehen, sagte Alexandra dem Radiosender. Sie sei angesprochen worden, weil ihre Leistungen in Englisch «ziemlich gut waren» und ihre Lehrer gewusst hätten, dass sie die Fremdsprache aufs Lehramt studieren wolle.
Für ihr Studium müssten die beiden jungen Frauen ohnehin ein Praktikum mit eigenen Unterrichtsstunden ableisten, ergänzte Fischer. Zugleich betonte er, dass alles, was «mit Unterrichtsvorbereitung, mit Notengebung und Leistungserhebung zusammenhängt», von qualifizierten Fachlehrern übernommen oder begleitet werde. Die pädagogische Verantwortung trage er als Schulleiter, «der beide Damen kennt und sie ebenfalls bei ihrer Aushilfsarbeit begleitet». Er attestiert den beiden jungen Frauen «ein sehr wohlwollendes und einfühlsames Verhalten den Kindern gegenüber».
Dies wird den beiden Aushilfslehrerinnen auch von ihren Schülern bestätigt. Er finde sie «ganz nett», sagte einer der Sechstklässler. Auch den Unterricht verstehe die Klasse «ganz ordentlich». Ein anderer lobte, dass sich die beiden Abiturientinnen «gut in uns reinversetzen können». Schließlich seien sie ja bis vor kurzem noch selbst Schüler gewesen.
Die Gymnasien sind unter allen Schularten im Freistaat vom Unterrichtsausfall ohnehin am meisten betroffen. Während Alexandra und Katharina die Not an ihrer Schule in Oberfranken wenigstens etwas lindern, sieht Kultusminister Schneider bei seiner Landtagsrede in München keinen Grund zur Sorge. «Wir werden die Qualität des bayerischen Gymnasiums sichern», versprach er.
(ddp)
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