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Darmstadt (ddp-hes). Hagel im Hochsommer, extreme Hitze schon im Frühling und kaum Frost im Winter. Solche Wetterkapriolen treten seit Jahren verstärkt in Europa auf. Und auch in Hessen sorgten in den vergangenen Jahren solche extremen Wetterlagen für Unruhe. Zwar ist nicht jeder heiße Sommer zwangsläufig eine Folge der Klimaveränderung auf der Erde. Mittlerweile gehen Wissenschaftler aber davon aus, dass wir uns auf künftige Veränderungen des Klimas einstellen müssen.
Dass sich auch in Südhessen der Klimawandel künftig stärker bemerkbar machen dürfte, liegt aus Sicht von Lena Herlitzius vom Fachgebiet Umwelt- und Raumplanung der Technischen Universität Darmstadt auf der Hand. «Wärmere Sommer und zur gleichen Zeit geringere Niederschlagsmengen gefährden beispielsweise die Ernten der südhessischen Bauern.» Generell müssen sie ihre Erzeugnisse daher an die Veränderungen anpassen. Schon heute würden viele Landwirte mit der Umstellung des Anbaus beginnen und auch die Winzer bauten schon neue Weinsorten an.
Ähnlich müsste auch in sämtlichen Bereichen des öffentlichen Lebens umgedacht werden. Herlitzius wirkt beim Forschungsprojekt Klara-Net mit. Neben Wissenschaftlern sind auch Institutionen wie der Katastrophenschutz, Wirtschaftsunternehmen und Städte daran beteiligt. «Klara» steht für «Klimaadaption in der Region Starkenburg und wird vom Bundesforschungsministerium gefördert. In dem Projekt werden unterschiedliche Bedrohungen durch die Klimaveränderung in Südhessen untersucht.
Die Folgen für die Bürger und die Landwirtschaft resultierten nicht nur durch die verschärften Bedingungen im Sommer. Auch zu erwartende heftigere Niederschläge während der wärmeren Wintermonate und damit einhergehende Stürme müssten dringend in die Planungen einbezogen werden, sagt Projektleiter Hans Reiner Böhm. Problematisch sei, dass die genaue Höhe des Anstiegs der Durchschnittstemperaturen noch nicht bekannt sei. »Die Prognosen für eine Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts bewegen sich zwischen zwei und sechs Grad«, erläutert Böhm. Eine Erwärmung um sechs Grad wäre seiner Meinung nach nicht mehr beherrschbar. Und die Vorgabe der Politik, die Erwärmung mit zwei Grad möglichst in Grenzen zu halten, sei sehr optimistisch. »Dafür sind extreme Anstrengungen notwendig. Ob wir das schaffen, ist im Moment mehr als fraglich«, meint Böhm.
Für Südhessen beispielsweise müssten sich Landwirte und Kommunen darauf einstellen, dass der Grundwasserpegel in manchen Gebieten viel stärker schwanken wird als in der Vergangenheit. So werde möglicherweise künftig viel mehr Energie benötigt, um die Ernte zu bewässern. Anders als zurzeit manche Länder in Afrika oder Asien könnten Länder wie Deutschland und Regionen wie Südhessen die erforderliche Anpassung aufgrund technischer Versiertheit leisten. »Das dürfte allerdings zusätzliche Kosten von mehreren Milliarden Euro im Jahr mit sich bringen."
(ddp)
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