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Brutale Attacke gegen hilflosen Rentner

ddp - Freitag, 20. Juni, 12:09 Uhr

München (ddp). Mit extremer Brutalität schlugen die beiden Männer zu. Vier Tage vor Weihnachten, am 20. Dezember 2007, prügelten sie in der Münchner U-Bahnstation Arabellapark den 76 Jahre alten Rentner Bruno N. nieder. Immer wieder traten die Peiniger auf den hilflos am Boden liegenden Mann ein, verpassten ihm Faustschläge ins Gesicht. Eine Überwachungskamera zeichnete das Verbrechen auf. Wenige Tage später wurden die beiden festgenommen. Ab Montag, gut sechs Monate nach der Tat, müssen sich der 21 Jahre alte Türke Serkan A. und der 18 Jahre alte Grieche Spyridon L. vor dem Landgericht München wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und Diebstahls verantworten.

Bereits in der U-Bahn hatten die Männer laut Anklage angefangen, den pensionierten Schulrektor zu provozieren. Dieser hatte die beiden ermahnt, dort doch bitte nicht zu rauchen. Daraufhin beschimpften sie den Mann und spuckten ihn an. Der Rentner setzte sich von den beiden weg und stieg wenig später an der Haltestelle Arabellapark aus der Bahn aus. Die Männer rannten ihm hinterher und schlugen ihn schließlich im Zwischengeschoss der Station zusammen.

Das Überwachungsvideo, das von der Polizei zur Fahndung später veröffentlicht wurde, zeigt eine ungeheuere Brutalität: Einer der Täter nahm einmal gar Anlauf, um seinem Opfer mit voller Wucht gegen den Kopf zu treten. Anschließend nahmen die Männer noch den Rucksack ihres reglosen Opfers an sich und flüchteten. Der Rentner habe unglaubliches Glück gehabt, teilte die Polizei später mit. Er erlitt durch den minutenlangen Gewaltakt unter anderem mehrfache Schädelbrüche und Gehirnblutungen. Ein Passant entdeckte das Opfer mehrere Minuten nach der Tat und holte Hilfe.

Die Bilder der Überwachungskamera lösten später eine bundesweite Debatte über den Umgang mit jugendlichen Straftätern sowie kriminellen Ausländern aus. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) griff das Thema schließlich auch in seinem Landtags-Wahlkampf auf und geriet mit Forderungen nach diversen Gesetzesverschärfungen in die Kritik. Seine Gegner warfen ihm damals vor, den Fall für den Wahlkampf zu instrumentalisieren.

Und auch der Münchner Kommunalwahlkampf wurde von der Debatte geprägt. Auf CSU-Plakaten, die verschiedene Bilder des Überfalls aus der Überwachungskamera zeigten, prangten Slogans wie «Damit Sie nicht der nächste sind» oder «Keine Nachsicht für Gewalttäter». Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) bezeichnete die Wahlwerbung als «Tiefpunkt der politischen Kultur». Bruno N. verurteilte die Kampagne ebenfalls. Er fühle sich «für den Wahlkampf benutzt», sagte er in einem Zeitungsinterview.

Bei dem Prozess wird der Rentner voraussichtlich am Dienstag als Zeuge aussagen. «Angst habe ich nicht», sagte er in einem Zeitungsinterview. Er hoffe aber, dass das Gerichtsverfahren schnell vorbeigehe. «Ich will dieses traurige Kapitel endlich abschließen», betonte der 76-Jährige.

Ob die Öffentlichkeit die Verhandlung verfolgen kann, ist fraglich. Der Verteidiger von Spyridon L., Wolfgang Kreuzer, kündigte an, zu Prozessbeginn am Montag den Ausschluss der Öffentlichkeit zu beantragen. Schließlich sei sein Mandant zum Tatzeitpunkt noch minderjährig gewesen.

Die beiden Angeklagten sitzen seit ihrer Festnahme in U-Haft im Gefängnis München-Stadelheim. Nach Jugendstrafrecht droht ihnen eine Höchststrafe von zehn Jahren. Bereits einige Wochen nach der Tat hatte der Rentner in einem Interview gesagt, es sei ihm «völlig wurscht», ob die beiden nun zu fünf oder acht Jahren Gefängnis verurteilt würden. Das sei Sache der Justiz. Er habe keine Rachegefühle und empfinde auch keine Genugtuung. Nur vergessen könne er sie nicht, die «hasserfüllten Gesichter» der beiden Männer.

(ddp)

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