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Privileg durch Patenschaft

ddp - Mittwoch, 21. Mai, 10:38 Uhr

Magdeburg (ddp-lsa). Zielstrebig steuert Kathleen Schneider auf das Nashorn-Gehege im Zoo Magdeburg zu. Sie kennt die Wege hinter den Kulissen des Dickhäuter-Hauses. «Hier gefällt es mir», sagt sie und läuft lächelnd in Richtung Spitzmaulnashörner. Seit 2002 unterstützt die 29-Jährige als Tierpatin von Nashorn-Dame Maleika den Zoo Magdeburg. Manchmal besucht sie ihr «feines Mädchen» mit einem Futtereimer. Die Tierpfleger kennen sie bereits und gewähren ihr das Privileg, das Nashorn mit Äpfeln und Karotten zu füttern. In Sachsen-Anhalt nutzen immer mehr Zoo-Liebhaber die Chance, durch eine Patenschaft den Tieren näher zukommen.

«Die Nachfrage ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen», sagt Katrin Demco vom Zoo Magdeburg. Momentan gebe es 177 Paten. In Halle wurde vor wenigen Tagen die 500. Patenschaft gefeiert. Auch kleinere Anlagen wie in Aschersleben und Thale sind mit jeweils etwa 60 Paten gefragt. Ein Grund für diese Tendenz ist das wachsende Interesse an Zoos. «Auch die Fernsehsendungen über Tierparks könnten ein Antrieb für die Entwicklung sein», fügt Demco hinzu.

Das Geld aus den Patenschaften kommt dabei allen Tieren einer Anlage zugute. Im Zoo der Landeshauptstadt wurden im vergangenen Jahr rund 26 000 Euro für Futter, Reparaturen oder Neuinvestitionen gespendet. In Halle waren es etwa 18 600 Euro. Für Maleika überweist Schneider im Auftrag ihrer Firma jährlich 2500 Euro. Nur der Elefant mit 4500 Euro im Jahr ist teurer. «Wir zeigen damit unser soziales Engagement für Magdeburg», sagt Schneider und hält ein Stück Brot, das ihr der Tierpfleger reicht, über die massive Holzabsperrung. Mittlerweile ist sie bei Maleika angekommen, die sich schmatzend nach dem nächsten Leckerbissen aus Schneiders Händen reckt.

Die zweifache Mutter geht gerne in den Zoo. «Mir ist wichtig, dass sich die Tiere in ihrer Umgebung wohlfühlen», betont Schneider. Mit ihrer Spende könne sie dem Zoo am ehesten helfen. Deshalb habe sie sich auch keine kostengünstigere Patenschaft ausgesucht. «Obwohl die kleinen Erdmännchen schon süß sind», gesteht die 29-Jährige. Für die kleinen, katzenartigen Raubtiere zahlen Paten 80 Euro im Jahr.

Der Niedlichkeitsfaktor ist bei der Tiersuche in den meisten Fällen bestimmend. Viele Paten favorisieren die putzigen Erdmännchen, die Ponys und Esel im Streichelzoo oder die frechen Waschbären. Im Tiergarten in Halberstadt sind Schweinchen besonders begehrt. «Die sind bereits vergeben, bevor sie geboren sind», sagt Michael Bussenius. Auch die teuren, großen Tiere sind gefragt. Meist sind es jedoch Unternehmen, die sich diese Patenschaften leisten können. Im Tierpark Thale führt der Braunbär mit 500 Euro im Jahr die Liste an. «Er symbolisiert Stärke und Kraft und diese Eigenschaften passen gut zu einem Firmenimage», erklärt Tierparkleiter Uwe Köhler die unterschiedlichen Präferenzen der Paten.

In den meisten Zoos erhalten die Paten als Dank eine Urkunde, eine Jahreskarte und werden einmal im Jahr zu einem Patentag eingeladen. Am Sonntag (25. Mai) treffen sich die Paten des Zoo Magdeburgs wieder auf dem Gelände. Dann erfahren sie Neuigkeiten über anstehende Projekte oder Wissenswertes zu ihren Tieren. Auch Schneider geht am Nachmittag nicht ohne etwas gelernt zu haben aus dem Zoo. «Beim nächsten Mal werde ich auch trockenes Brot in meinem Eimer mitnehmen», kündigt sie an. Denn der Tierpfleger hat ihr heute verraten, dass Brot für Nashörner wie Schokolade ist.

(ddp)

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