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Leipzig (ddp-lsc). Entspannt lächeln Erich und Margot Honecker von einer übergroßen Schwarz-Weiß-Fotografie. Die Aufnahme zeigt das Ehepaar bei einem Urlaub in Bulgarien. Auf einem Bild in der Vitrine darunter hält Erich Honecker stolz einen selbst gefangenen Fisch in die Kamera. Es könnten Aufnahmen aus einem ganz normalen Familienalbum sein, wäre im Glaskasten daneben nicht der Brief in Honeckers schräger, gleichmäßiger Handschrift. «Schließlich ist doch die DDR nicht wegen unserer Fehler untergegangen», schreibt der frühere Staatsratsvorsitzende darin. Eine Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig zeigt ab Donnerstag diese privaten Hinterlassenschaften Honeckers aus zwei Koffern, die er auf seiner Flucht nach Moskau in Deutschland zurücklassen musste.
Erstmals sind die persönlichen Objekte Honeckers in Ostdeutschland zu sehen. Für den Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums, Rainer Eckert, ist das eine «verspätete Gerechtigkeit» für die Unterdrückten des DDR-Sozialismus. Es sei eine «Ironie der Geschichte», dass die Hinterlassenschaften Honeckers ausgerechnet nach Leipzig zurückkehrten - in die Stadt, in der der Zusammenbruch des Systems mit den Montagsdemonstrationen begann.
Neben der familiären, fast bürgerlichen Idylle der Familie Honecker zeugen die Dokumente auch von deren ungebrochenem Glauben an den Sozialismus, wie der wissenschaftliche Mitarbeiter des Forums, Daniel Kosthorst, erklärt. «Bei Margot und Erich Honecker ist keinerlei Einsicht erkennbar - das System ist absolut für sie», sagt Kosthorst.
So quittierte Honecker nach der Wende den schriftlichen Haftbefehl wegen der Anordnung des Schießbefehls an der DDR-Grenze mit einem entschlossenen «Stimmt nicht!» Schon in den Zeugnissen der Moskauer Lenin-Schule aus den Jahren 1930/31 bescheinigten seine Lehrer dem Schüler Honecker: «Er versteht es ganz gut, die Theorie mit dem Klassenkampf in Deutschland zu verbinden.» Auch diese beiden Dokumente zeigt die Leipziger Ausstellung.
Die beiden unscheinbaren Koffer - nur ein Streifen Krepp-Klebeband mit der Aufschrift «Dok privat» lässt den Inhalt erahnen - gelangten auf Umwegen in das Zeitgeschichtliche Forum. Als das Ehepaar Honecker überstürzt nach Moskau fliehen musste, deponierten sie die Koffer bei Margots Bruder Manfred Feist. Ein weiterer Vertrauter der Honeckers, Karl-Heinz Kaiser, überzeugte dann Feist, die Koffer an das Magazin «Focus» zu verkaufen. Von dort gelangten die Koffer 2008 an die Bonner Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
Direktor Rainer Eckert holte sie dann nach Leipzig. Er ist der Meinung, dass jeder das Recht habe, Honeckers Selbstbild zu begreifen. Bis zum Ende der DDR sei aus Honeckers Privatleben nichts bekannt gewesen. Die Ausstellung könne dazu beitragen, ihn umfassender zu verstehen. Noch bis 8. Juni zeigt das Zeitgeschichtliche Forum die Inhalte der «Honecker Koffer».
(ddp)

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