ddp
Horstwalde (ddp-lbg). Der klassische Versuch klappt reibungslos. Aus fast 20 Metern Höhe lassen die Ingenieure der Bundesanstalt für Materialforschung und Prüfung (BAM) einen 200 Tonnen schweren Stahlklotz von einem Turm zur Erde fallen. Der Boden unter den Füßen der Zuschauer bebt, der Behälter bleibt unbeschadet. Bei der Übergabe des zweiten und letzten Bauabschnitts der neuen BAM-Freiversuchsanlage in Horstwalde lassen es die Ingenieure am Mittwoch gleich mehrmals krachen. Explosionen erschüttern die Luft, meterhohe Flammen schlagen aus Stahlröhren.
Für Manfred Hennecke, den Präsidenten der 1954 gegründeten BAM, haben diese Vorführungen nichts mit Spielerei zu tun. «Mit der rasanten Zunahme technischer Möglichkeiten wird auch der Einsatz technischer Bauten im Alltag immer extremer», sagt der Wissenschaftler bei der Einweihung der neuen Testanlagen der BAM auf dem Freiversuchsgelände im Horstwalde. «Die Temperaturen werden immer höher, und die Kräfte werden größer», sagt Hennecke. Dementsprechend käme es auch zu extremeren Einsätzen.
Um mit dieser technischen Entwicklung Schritt zu halten, hat das für die Prüfung und Zulassung von Materialien zuständige Bundesamt mit Sitz in Berlin auf dem ehemaligen Militärgelände seine Freiversuchsanlage modernisiert und erweitert. Für insgesamt 24 Millionen Euro entstanden auf dem zwölf Quadratkilometer großen Gelände im Landkreis Teltow-Fläming gleich mehrere Anlagen. Neben einem 36 Meter hohen Fallturm wurden neue Sprengkammern und mehrere Prüffelder zur Simulation von Bränden und Detonationen errichtet.
Die Ausbauten entsprechen dem Spezialgebiet der BAM. «Wir testen in erster Linie Behältnisse für alle möglichen Arten von Gefahrgütern», erläutert Hennecke. So würden auf dem Fallturm neben Containern und Waggons auch die Castorbehälter auf ihre Sicherheit hin überprüft. Damit sei die Anlage in Europa einzigartig.
Durch diesen technischen Vorsprung erhofft sich die BAM mit ihren 1700 Mitarbeitern, weltweit neue Standards setzen zu können. «Insbesondere beim Einsatz von Sauerstoff und Wasserstoff in Verbindung mit hohen Drücken werden wir hier international verbindliche Normen erarbeiten», verspricht Hennecke. Schließlich handele es sich bei diesen Forschungsgebieten seiner Einschätzung nach um Zukunftsfelder in der Industrie, die bislang erst wenig erforscht seien.
Erste Kunden aus der Wirtschaft hätten bereits ihr Interesse bekundet. So beauftragte der bayerische Automobilhersteller BMW schon vor der offiziellen Einweihung des Versuchsgeländes die BAM- Ingenieure mit Tests zu einem wasserstoffbetriebenen Fahrzeug. Weiterer Nutznießer neben der Industrie könnte auch die Region Teltow-Fläming selbst sein. Insbesondere für das Gastgewerbe in Sperenberg, Baruth und Trebbin erhofft sich BAM-Präsident Hennecke steigende Umsätze.
«Mit der Erweiterung unseres Areals erwarten wir häufiger Wissenschaftler und Wirtschaftvertreter in Horstwalde. Denen dürfte der Weg nach Berlin zum Übernachten zu weit sein», glaubt er. Bis es soweit ist, wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Schließlich sind bislang erst ein Drittel aller geplanten Versuchaufbauten betriebsfähig, sagt Hennecke. Bis zum endgültigen Abschluss sämtlicher Arbeiten werden nochmals mehrere Monate vergehen.
(ddp)

Copyright © 2008 Yahoo! Alle Rechte vorbehalten.