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Berlin/Bonn (ddp-nrw). Vor dem Start der UN-Naturschutzkonferenz in Bonn fordern Umweltschützer mehr Engagement der Politik für den Erhalt bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Nach Angaben des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) sind knapp drei Viertel der in Deutschland vorkommenden Lebensräume, ein Drittel der einheimischen Tierarten und fast 27 Prozent der Pflanzen akut bedroht. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) warf der Bundesregierung am Samstag eine schleppende Umsetzung europäischer Naturschutzrichtlinien vor.
NABU-Präsident Olaf Tschimpke verwies darauf, dass die EU-Staaten das Artensterben bis 2010 eigentlich komplett stoppen wollten. «Von gebremstem Artenschwund oder gar einem Stopp kann zwei Jahre vor dem Stichtag aber keine Rede sein», kritisierte er. Tschimpke betonte: «Wer international einen wirkungsvollen Naturschutz durchsetzen will, muss vor seiner eigenen Haustür beginnen. Luchs und Rotmilan verdienen den gleichen Schutz wie Nashorn und Tiger.»
Aber während auf der Weltnaturschutzkonferenz ab Montag international für ein «Netz des Lebens» geworben werde, verschleppten einige deutsche Bundesländer die Umsetzung des europäischen Schutzgebietsnetzes «Natura 2000» massiv. Den Ministerien für Landwirtschaft und Wirtschaft warf er vor, «seit Monaten jeden Fortschritt für ein innovatives Umweltgesetzbuch» zu boykottieren, das ein wichtiges Instrument für die Rettung der biologischen Vielfalt in Deutschland werden könne.
BUND-Naturschutzkoordinatorin Heidrun Heidecke kritisierte die Bundesregierung ebenfalls. «Im europaweiten Vergleich ist der Anteil gefährdeter Arten nirgendwo höher als bei uns», sagte sie. Die frühere Grünen-Umweltministerin Sachsen-Anhalts hob hervor: «Es bleibt also vor der eigenen Haustür eine Menge zu tun.» In Deutschland mangele es an der Umsetzung europäischer Naturschutzvorschriften, etwa der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie für besonders geschützte Gebiete oder der europäischen Vogelschutzrichtlinie. Das liege daran, dass die Behörden immer Angst hätten, jemandem auf die Füße zu treten, der wirtschaftlich betroffen sein könnte.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) dämpfte derweil die Hoffnung auf konkrete Ergebnisse bei der Konferenz. Bonn werde noch keinen Vertragsabschluss bringen, «aber hoffentlich den Weg dorthin festlegen». Gabriel betonte dabei die Vorreiterrolle Deutschlands: «Wenn ein reiches Land wie Deutschland beim Naturschutz versagt, können wir kaum von Entwicklungsländern Anstrengungen erwarten.» Er fügte hinzu: «Den Afrikanern vorzuschreiben, ihre Elefanten zu schützen und dann den ersten Bär abzuschießen, der hier um die Ecke kommt - das lässt sich auf einer internationalen Konferenz schlecht erklären.»
(ddp)

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