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Mehr Schutz für Luchs und Rotmilan

ddp - Sonntag, 18. Mai, 14:18 Uhr

Berlin (ddp). Vor dem Start der UN-Naturschutzkonferenz in Bonn fordern Umweltschützer mehr Engagement der Politik für den Erhalt bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Nach Angaben des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) sind knapp drei Viertel der in Deutschland vorkommenden Lebensräume, ein Drittel der einheimischen Tierarten und fast 27 Prozent der Pflanzen akut bedroht. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) warf der Bundesregierung am Wochenende eine schleppende Umsetzung europäischer Naturschutzrichtlinien vor.

NABU-Präsident Olaf Tschimpke verwies darauf, dass die EU-Staaten das Artensterben bis 2010 eigentlich komplett stoppen wollten. «Von gebremstem Artenschwund oder gar einem Stopp kann zwei Jahre vor dem Stichtag aber keine Rede sein», kritisierte er. Tschimpke betonte: «Wer international einen wirkungsvollen Naturschutz durchsetzen will, muss vor seiner eigenen Haustür beginnen. Luchs und Rotmilan verdienen den gleichen Schutz wie Nashorn und Tiger.»

Aber während auf der Weltnaturschutzkonferenz ab Montag international für ein «Netz des Lebens» geworben werde, verschleppten einige deutsche Bundesländer die Umsetzung des europäischen Schutzgebietsnetzes «Natura 2000» massiv. Der Naturschützer forderte, in Bonn müsse ein weltweites Netz von Schutzgebieten «insbesondere für die letzten Regenwälder und in den Weltmeeren» auf den Weg gebracht werden. Die derzeit von der Bundesregierung dafür geplanten 40 bis 50 Millionen Euro seien aber «viel zu wenig». Notwendig seien zusätzlich zwei Milliarden Euro pro Jahr.

Auch BUND-Naturschutzkoordinatorin Heidrun Heidecke kritisierte: «Im europaweiten Vergleich ist der Anteil gefährdeter Arten nirgendwo höher als bei uns.» Die frühere Grünen-Umweltministerin Sachsen-Anhalts sagte, in Deutschland mangele es an der Umsetzung europäischer Naturschutzvorschriften, etwa der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie für besonders geschützte Gebiete oder der europäischen Vogelschutzrichtlinie. Das liege daran, dass die Behörden immer Angst hätten, jemandem auf die Füße zu treten, der wirtschaftlich betroffen sein könnte.

Die Naturschutzorganisation WWF forderte eine neue Initiative zum Schutz der Wälder. Derzeit gingen jedes Jahr 13 Millionen Hektar Wald verloren. Bis 2020 müsse der Netto-Waldverlust auf Null sinken, verlangten die Umweltschützer. Die Staatengemeinschaft solle sich zudem verpflichten, bis 2050 wieder ein globale Waldfläche und -qualität auf dem Niveau des Jahres 2000 zu erreichen.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) dämpfte derweil die Hoffnung auf konkrete Ergebnisse bei der Konferenz. Bonn werde noch keinen Vertragsabschluss bringen, «aber hoffentlich den Weg dorthin festlegen». Gabriel betonte dabei die Vorreiterrolle Deutschlands: «Wenn ein reiches Land wie Deutschland beim Naturschutz versagt, können wir kaum von Entwicklungsländern Anstrengungen erwarten.» Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) zeigte sich zuversichtlich, dass Deutschland weitere Mittel für die Ausweisung von Schutzgebieten in Entwicklungsländern zusagen wird.

(ddp)

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