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Landau (ddp-rps). Das Verfahren um den ehemaligen Oberbürgermeisterkandidaten der Landauer CDU, Kai Schürholt, entscheidet sich frühestens Anfang Juni. Schürholts Verteidiger Ralf Bolik beantragte am Freitag in der Berufungsverhandlung vor dem Landauer Landgericht die Ladung weiterer Zeugen. Die Verteidigung will damit nachweisen, dass der 36 Jahre alte Theologe seinen erschwindelten Doktortitel nie aktiv geführt und auch nie zu einer Promotionsfeier eingeladen hat. Zeugen bescheinigten allerdings, Schürholt habe den Doktortitel offen auf Türschildern und Visitenkarten geführt.
In einem weiteren Verhandlungstag am 2. Juni sollen deshalb nun unter anderem Schürholts Eltern und frühere Arbeitgeber gehört werden. Schürholt war im Dezember 2007 wegen Titelmissbrauchs zu einer Geldstrafe von 4500 Euro verurteilt worden, dagegen hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Staatsanwalt Klaus Häußler kündigte am Freitag an, er werde mindestens eine Freiheitsstrafe auf Bewährung fordern. Schürholts Aussagen vor Gericht wertete Häußler als «Beschönigung».
Der gebürtige Bochumer Schürholt war im Mai 2007 als Kandidat der CDU für den Oberbürgermeisterposten in Landau präsentiert worden. Der studierte evangelische Theologe galt als neuer Hoffnungsträger der Partei und wurde auch auf Plakaten als Doktor präsentiert. Bereits im Juni 2006 waren allerdings erste Zweifel an dem Titel aufgetaucht, trotzdem hielt die Partei eisern an ihrem Kandidaten fest.
Im August zog Schürholt dann unter Vortäuschung einer Krebserkrankung seine Kandidatur zurück und musste schließlich unter wachsendem öffentlichen Druck einräumen, sowohl den Doktortitel als auch die Krankheit vorgetäuscht zu haben. Die OB-Wahl am 3. September musste daraufhin ohne einen CDU-Kandidaten stattfinden.
Aufgeflogen war Schürholt durch die Recherchen der Landauerin Waltraud Kollmar. Die 70-Jährige berichtete vor Gericht, es sei eine Frage einer halben Stunde gewesen, die vorgetäuschte Promotion zu entlarven. Ihr sei unverständlich, wieso sie die einzige gewesen sei, die misstrauisch wurde, wo doch «der Schwachsinn so unglaubhaft» gewesen sei.
Schürholt präsentierte sich dagegen vor Gericht als Opfer von Umständen. Sein früheres Handeln könne er sich selbst nicht erklären, wochenlang habe er schlaflose Nächte gehabt. Danach sei er regelrecht «vogelfrei» gewesen und habe erst im Januar dieses Jahres einen neuen Job gefunden.
Seinen Weg zum falschen Doktortitel beschrieb Schürholt als «schleichenden Prozess». Sein Umfeld habe ihn als Doktor angesprochen, das habe er auch «aus Eitelkeit» nicht korrigiert. Immerhin habe er sich «die ganze Zeit bemüht», seine in Heidelberg angemeldete Dissertation fertig zu stellen. Den Doktortitel habe er im Übrigen «in der ganzen Zeit nicht aktiv geführt», weder auf seinem Türschild als Abgeordneten-Mitarbeiter im Deutschen Bundestag, noch auf seinem Briefpapier. Auch bei seiner Vorstellung bei der CDU in Landau habe seine Dissertation nie eine Rolle gespielt.
Dem widersprach der frühere CDU-Kreischef Ralf Göbel. Schürholt sei bereits als neuer Pressesprecher des Deutschen Brauerbundes im Herbst 2006 als «Dr. Schürholt» präsentiert worden und habe dort auch mit dem Doktortitel unterschrieben. Auch auf seinem privaten Klingelschild habe Schürholt sich als Doktor ausgegeben. Schürholt habe zudem einen «hervorragenden Leumund» gehabt, aus Berlin habe die Landauer CDU Glückwunschschreiben zu dem «tollen Kandidaten» bekommen, erklärte Göbel, wie die Partei darauf reinfallen konnte.
(ddp)

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