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Tauschen von Fußballbildern verboten

ddp - Freitag, 16. Mai, 15:41 Uhr

Hamburg/Hannover (ddp). Das Fußballfieber ist drei Wochen vor der Europameisterschaft nach dem Willen einiger Schuldirektoren in Klassenzimmern nicht erwünscht. Nach Baden-Württemberg erließen auch Schulleiter in Hamburg ein Tauschverbot von Panini-Fußballbildern auf ihrem Schulgelände. Das Echo darauf reicht von «grotesk» bis «völlig überzogen». Nach Einschätzung des Deutschen Lehrerverbandes ist ein Verbot «immer das letzte Mittel». Der Vorsitzende Josef Kraus sagte, er halte schon das vielerorts praktizierte Handyverbot an Schulen für «überzogen». Kein Verständnis äußerte auch der bayerische Elternverband. Hintergrund des Verbots sind nach Angaben einer Hamburger Behördensprecherin Erfahrungen der Schulen, dass das Tauschen der Bilder Streit und Tätlichkeiten unter den Schülern provoziere.

In bislang drei Schulen der Hansestadt wurde das Mitbringen der Bilder bereits verboten, wie die Sprecherin der Bildungsbehörde sagte. Eine solche Entscheidung liege in der Verantwortung der Schule und ihres Direktors, der damit seinen Ermessensspielraum innerhalb der Hausordnung ausschöpfe. «Die Bildungsbehörde hält sich da völlig heraus, denn das ist nichts, was einem zentralen Verbot nach dem Schulgesetz unterliegt wie etwa Waffen oder Drogen», sagte die Sprecherin. Es gehe nicht darum, den Kindern den Spaß zu verbieten. Doch ähnlich hätten viele Hamburger Schulen auch das Mitbringen von Handys verboten. Die Schulen wollten Streit vermeiden, sagte die Sprecherin.

Lehrerverbandschef Kraus sieht die Schulleiter-Entscheidungen mit Skepsis. Wenn der Tausch von Bildern Unterrichtsprobleme mit sich bringe, dann seien Gespräche mit den Eltern angesagt. »Dabei geht es beispielsweise um die Frage, ob die Schüler einem Konsumzwang ausgesetzt sind, um als interessanter Tauschpartner dazustehen, und ob Mutter und Vater von den Ausgaben wissen.« Die Lehrer müssten auch so viel Autorität haben, dass die Bilder abgenommen werden.

Die Vorsitzende des bayerischen Elternverbandes, Isabell Zacharias, sagte, im Unterricht hätten die Bilder sicherlich nichts verloren, aber das Tauschen in den Pausen auf dem Schulhof sei völlig in Ordnung. Ein Verbot sei völlig überzogen. »Ich klebe gerade mit meiner Tochter begeistert Paninis ins Album», sagte sie. Laut Kultusministerium hat es an bayerischen Schulen bislang keine größeren Unterrichtsprobleme wegen dieser Sammelleidenschaft der Schüler gegeben.

In anderen Bundesländern wie Niedersachsen, Bremen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen war den zuständigen Ministerien von derartigen Verboten an den Schulen nichts bekannt.

Ein Tauschverbot war erstmals Anfang Mai aus Baden-Württemberg bekannt geworden. Der Direktor der Silcher-Grundschule in Fellbach bei Stuttgart sah sich wegen Störungen im Unterricht gezwungen, das Tauschen der Klebebilder zu verbieten. Bei der staatlichen Schulaufsicht im Rems-Murr-Kreis gebe es aber keine Empfehlung, auch an anderen Schulen so zu verfahren, sagte ein Sprecher des Landratsamtes. Das Thema sei vergleichbar mit Kaugummis, die fast überall verboten seien, oder auch Handys, die ausgeschaltet werden müssen.

(ddp)

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