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Koblenz (ddp-rps). Das Urteil des Landgerichts Koblenz gegen einen mutmaßlichen Stalker, der Einwohner von Rettert (Rhein-Lahn-Kreis) mit Tausenden Anrufen terrorisiert haben soll, verzögert sich. Nach kurzer Beratung entschied das Gericht am Donnerstag, die Beweisaufnahme fortzusetzen. Dabei soll unter anderem eine Fernsehreportage von «Stern TV» ausgewertet werden, in der Anrufe des 34-jährigen Angeklagten aufgezeichnet worden waren. Ursprünglich waren für Donnerstag sowohl die Plädoyers als auch das Urteil erwartet worden.
Die Nebenkläger hatten auf einen Abschluss des Verfahrens gehofft. Es sei unerträglich, dass sich der Angeklagte weiter auf freiem Fuß befindet, sagte eine der beiden Nebenklägerinnen. Durch den Telefonterror sei sie gesundheitlich stark angeschlagen und könne nachts kaum schlafen. Mehr als 100-mal pro Tag habe der Stalker bei ihr angerufen und sie bedroht.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, in mehr als 3400 Fällen gegen eine vollstreckbare Anordnung im Rahmen des Gewaltschutzgesetzes verstoßen zu haben. Rund 40 Familien in Rettert seien davon betroffen gewesen. Der ganze Ort habe darunter gelitten, sagte ein Gastronom aus Rettert am Rande des Prozesses. Viele hätten zunächst versucht, dem 34-Jährigen zu helfen. Doch sei dies vergeblich gewesen. Als Hintergrund für die Anrufe wird eine gescheiterte Liebesbeziehung des Mannes zu einer in Rettert lebenden Frau angenommen.
Das Amtsgericht in Diez (Rhein-Lahn-Kreis) hatte den Angeklagten 2006 zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Dagegen legte er Berufung vor dem Landgericht Koblenz ein. Sein Verteidiger geht nach eigenen Angaben im Berufungsprozess von einem milderen Urteil aus. Die Urteilsverkündung wird nun voraussichtlich am 4. Juli erfolgen.
(ddp)

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