ddp
Schwerin (ddp). Der Mutter der verhungerten Lea-Sophie ist offenbar der schlechte körperliche Zustand ihrer Tochter bekannt gewesen. Eine Kriminalbeamtin sagte am Donnerstag im Schweriner Prozess zum Hungertod des Mädchens aus, dass die 24 Jahre alte Angeklagte vor dem Haftrichter geäußert habe, das «rohe Fleisch» der Geschwüre am Körper der Fünfjährigen bemerkt zu haben. Sie habe zudem bei ihrer polizeilichen Vernehmung den abgemagerten Zustand des Kindes eingeräumt, berichtete die Zeugin vor dem Landgericht. Die Mutter sei zusammen mit ihrem Partner allerdings bis zuletzt der Meinung gewesen, alleine zurechtzukommen.
Die Polizistin führte weiter aus, dass die 24-Jährige während ihrer Vernehmung eingeräumt habe, die Augen vor dem Zustand der Tochter verschlossen zu haben. Auf eine entsprechende Frage habe Lea-Sophies Mutter geantwortet, sie habe «nicht das Gefühl» gehabt, dass es «so schlimm ist». Die Eltern gingen nach Angaben der Verhörspezialistin offenbar davon aus, es handle sich bei den Essstörungen nach der Geburt von Lea-Sophies Bruders nur um «eine kurze Phase».
Über ihren Lebenspartner hat die Mutter nach Angaben der Beamtin bei der Polizei zu Protokoll gegeben, dass er sie mit der Erziehung der Kinder, der Pflege der Haustiere und der Haushaltsführung allein gelassen und lieber Fernsehen geschaut oder am Computer gespielt habe. Der Vater sei nach Aussage seiner Partnerin über den körperlichen Zustand des Kindes informiert gewesen, da beide Lea-Sophie täglich beim Windeln gesehen hätten, sagte die Zeugin.
Aus den Vernehmungsprotokollen geht außerdem hervor, dass das Schweriner Jugendamt offenbar noch Mitte November 2007 bei der Vorladung der Familie wegen eines anonymen Hinweises zu Lea-Sophies kleinem Bruder angekündigt hatte, in den Tagen darauf auch das Mädchen begutachten zu wollen. Ein Mitarbeiter habe sich nach Aussage von Lea-Sophies Mutter für einen Besuch angesagt, berichtete die Kriminalistin.
Zu einer Terminvereinbarung kam es allerdings nicht mehr. Das Mädchen starb am 20. November in einer Schweriner Klinik. Sie wog zu diesem Zeitpunkt nur noch 7,4 Kilogramm. Die Staatsanwaltschaft legt den Eltern gemeinschaftlichen Mord durch Unterlassen sowie Misshandlung von Schutzbefohlenen zur Last. Der Prozess soll am Freitag fortgesetzt werden.
(ddp)

Copyright © 2008 Yahoo! Alle Rechte vorbehalten.