Suche

5000 Experten kommen zur Weltnaturschutzkonferenz nach Bonn

ddp - Donnerstag, 15. Mai, 07:32 Uhr

Bonn (ddp-nrw). So viel internationale Aufmerksamkeit hat das ehemalige Bonner Regierungsviertel seit dem Wegzug von Kanzleramt und Ministerien nicht mehr erlebt. Ab Montag kommen im Stadtteil Bad Godesberg über 5000 Experten aus 191 Staaten zur neunten UNO-Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) zusammen. Die auch Biodiversitätskonferenz genannte Veranstaltung sei «die bedeutendste und größte internationale Konferenz, die Bonn bisher gesehen hat», sagte Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann (SPD).

Bis 30. Mai wollen die Wissenschaftler überprüfen, wie es um die Umsetzung der 1993 in Kraft getretenen UNO-Konvention zur Artenvielfalt bestellt ist. Die auch von Deutschland ratifizierte Vereinbarung soll den Erhalt der biologischen Vielfalt und ihre nachhaltige Nutzung gewährleisten. Damit soll auch ein gerechter Vorteilsausgleich aus der Nutzung der biologischen Vielfalt gewährleistet werden.

Der Handlungsbedarf ist immens, denn von den derzeit vorhandenen rund 1,7 Millionen bekannten Pflanzen- und Tierarten gehen weltweit täglich 150 Arten verloren. Akut vom Aussterben bedroht sind derzeit mehr als 16 000 Arten.

«Es geht hier um ganz harte ökonomische Gründe, warum wir uns für den Stopp beim Verlust der Artenvielfalt einsetzen müssen», sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) unlängst. So basieren rund die Hälfte der heute in Deutschland gebräuchlichen Arzneimittel auf Heilpflanzen, viele davon wachsen im gefährdeten Urwald. Wenn Medikamente aus dem Regenwald gewonnen würden, müsse ein Teil der Gewinne wieder zurück in das Herkunftsland fließen, forderte der Minister. Das genau sei das Prinzip der Biodiversitätskonvention, von deren Umsetzung allerdings bislang wenig zu sehen sei, findet Hubert Weinzierl vom Deutschen Naturschutzring (DNR): «Seit Jahrzehnten werden internationale Konventionen ausgehandelt, aber nicht in Ansätzen eingehalten.»

In der Vorbereitung auf die Konferenz haben deutsche Umweltverbände deshalb nicht mit Kritik gespart. Beim Schutz der Wälder sei Deutschland nur Entwicklungsland, monierte unter anderem Greenpeace. Es mangele an Regeln für den Import von Papier, Holz und Futtermitteln, aber auch von Biotreibstoffen aus Urwaldgebieten. Hierzulande würden die Wälder darben, weil bei der Novellierung des Wald- und Jagdgesetzes auf ökologische Mindeststandards verzichtet werde. Auch deshalb seien in Deutschland ein Drittel der einheimischen Tier- und ein Viertel der Pflanzenarten in ihrem Bestand gefährdet.

Gabriel wollte ein Scheitern des Weltnaturschutzgipfels nicht ausschließen. Die Weltgemeinschaft stehe beim Schutz der biologischen Vielfalt «am Scheideweg», sagte der Minister.

Der Erfolg der Konferenz entscheidet sich womöglich erst beim sogenannten Ministerforum, zu dem sich mehr als 100 Minister aus aller Welt angesagt haben. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird es am 28. Mai eröffnen. Es wird erwartet, dass die Bundesrepublik mit der «Life Web Initiative» ein besonderes Engagement zum Schutz der biologischen Vielfalt und der ökologischen Systeme bekannt geben wird. Diese Plattform soll das freiwillige Engagement der Staaten für neue Schutzgebiete mit den Zusagen von Geldgebern zusammenführen.

Mehrere Umweltschutzorganisationen, darunter der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Greenpeace, haben im Umfeld der Konferenz Protestaktionen angekündigt.

(ddp)

Bewerten Sie diesen Artikel


Foren

Copyright © 2008 Yahoo! Alle Rechte vorbehalten.