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Die skurrile Truppe verzettelt sich

ddp - Donnerstag, 15. Mai, 11:09 Uhr

Berlin (ddp). «Keine Panik! Alles wird gut!», ruft der Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers), als er zum Fundort des Mordopfers eilt. Dabei verrichten das Spurensucherteam und Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) schon längst ihre Arbeit. Der großspurige Auftritt ist typisch für das arrogante Gehabe des Professors, der sich mit dem volksnahen Kommissar gerne Wortgefechte liefert. Das ist auch in «Krumme Hunde», dem jüngsten «Tatort»-Krimi aus Münster, so, den das Erste am Sonntag um 20.15 Uhr ausstrahlt.

Ihr jüngster Fall dreht sich um den Privatdetektiv Peter Mang, der halbnackt und mit Einstichwunden im Rücken tot in einer Baugrube gefunden wird. Eine außergewöhnliche Hunde-Tätowierung hilft bei der Identifizierung des Toten. Die erste Spur führt die Ermittler zur Villa der Industriellenfamilie Rummel. In der Ehe von Firmenchef Markus Rummel (Alexander Beyer) und Sabine Rummel (Henriette Heinze) kriselt es: Die Fotos, die der Detektiv zuletzt aufgenommen hat, beweisen, dass Markus eine heiße Affäre mit seiner neuen Assistentin Christine Schauer (überaus lasziv: Nadeshda Brennicke) hat.

Beauftragt wurde Mang jedoch von Alfred Wesskamp (Günter Junghans). Der pensionierte Werksmitarbeiter fühlt sich der Unternehmerfamilie eng verbunden und verrät Thiel, dass die Firma unter der Leitung von Markus Rummel in die roten Zahlen gerutscht ist. Unterdessen kann es Professor Boerne mal wieder nicht lassen und ermittelt auf eigene Faust. Die Tätowierung des Toten, der ihm merkwürdig ähnlich sah, führt ihn in ein zwielichtiges Müsteraner Tattoo-Studio. Als er dort auf einen Weißrussen trifft, ergreift der sofort die Flucht.

Unter den deutschen «Tatort»-Teams genießt das Duo aus Münster den Ruf, mit einem besonders skurrilen oder verschrobenen Personal aufzuwarten. So sorgt auch diesmal Thiels Dauer-Clinch mit seinem ausgeflippten Vater Herbert (Claus D. Clausnitzer), der Besuch von einer Ex-Geliebten aus Indien bekommt, für manche humoreske Konfrontation. Und der stets elegant auftretende Professor wird wiederholt von Mangs Riesenhund «Wotan», den seine Mitarbeiterin Silke Haller (Christine Urspruch als «Alberich») im Rechtsmedizinischen Institut aufgenommen hat, aus dem Konzept geworfen.

In «Krumme Hunde» jedoch verschiebt das erfahrene Autorenduo Stefan Cantz und Jan Hinter, die damit ihr siebtes «Tatort»-Drehbuch vorlegten, den Schwerpunkt zu weit weg von der Verbrecherjagd auf die Privatangelegenheiten der Ermittler und allerlei Nebenhandlungen. So liefert sich der Professor ein und ums andere Mal Sticheleien mit seiner verhassten Cousine Henriette Boerne (Astrid Meyerfeld), die sich kurz vor dem 100. Geburtstag des gemeinsamen Onkels Rudolf (Traugott Buhre) auffällig intensiv um dessen Gunst bemüht. Wegen des reichen Erbes, wie der Professor spekuliert.

Da es dem überfrachteten Drehbuch im 13. «Tatort» aus Münster an Stringenz mangelt, fällt umso mehr auf, dass der brave Thiel reflexartig in Pseudo-Hektik verfällt, sobald sein Vater mit seiner esoterischen Mantra-Flüsterin auftaucht, und meist ohne Not zur nächsten Ermittlungsstation rast. Angesichts des zu episodischen Plots gelingt es auch einem versierten TV-Regisseur wie Manfred Stelzer nicht mehr, die Handlungsstränge so zu bündeln, dass der Krimi die Spannung über 90 Minuten hält.

Zum Ausgleich setzen die Filmemacher am Schluss aber immerhin zwei komische Glanlichter: Zum einen erweisen sie dem Kinoklassiker «Casablanca» mit einem Zitat des berühmten Flughafen-Finales ihre Reverenz, und zum anderen sorgt Axel Prahl auf der großen Geburtstagsfeier von Rudolf Boerne mit einem höchst ausgefallenen Outfit für Verblüffung.

(ddp)

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