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46 Anzeigen gegen das Schweriner Jugendamt

ddp - Mittwoch, 14. Mai, 13:34 Uhr

Schwerin (ddp-nrd). Gegen Mitarbeiter des Schweriner Jugendamtes, das wegen Versäumnissen im Fall der verhungerten Lea-Sophie in der Kritik steht, sind bislang 46 Strafanzeigen aus dem gesamten Bundesgebiet gestellt worden. Diese Zahl nannte der Vorsitzende Richter Robert Piepel am Mittwoch im Prozess gegen die Eltern des Mädchens vor dem Schweriner Landgericht. Auf die ursprünglich vorgesehene Befragung von Behördenmitarbeitern wurde am vierten Verhandlungstag verzichtet, weil inzwischen gegen sie ermittelt wird und sie deshalb nicht aussagen wollen.

Der Prozess gegen die 24 Jahre alte Mutter und den 26 Jahre alten Vater wurde mit Zeugenaussagen von weiteren Kriminalbeamten, Krankenschwestern und Rettungssanitätern fortgesetzt, die das Kind vor seinem Tod versorgt hatten. Einem Sanitäter zufolge soll der Vater ihm gegenüber den Satz geäußert haben: «Lea-Sophie ärgert uns schon die ganze Zeit, seit der Bruder da ist.»

Ein Polizeibeamter rekonstruierte den letzten Besuch der Eltern im Jugendamt Mitte November 2007 wenige Tage vor dem Tod des fünf Jahre alten Mädchens. Der Polizist hatte einen Behördenmitarbeiter verhört. Die Eltern hätten auf den Mitarbeiter trotz einer gegen sie gerichteten anonymen Anzeige, die sich auf Lea-Sophies jüngeren Bruder bezog, einen «verständnisvollen Eindruck» gemacht, sagte der Zeuge. Der vom Jugendamt begutachtete Säugling habe sich nach Aussage des Mannes in einem «guten Pflege- und Ernährungszustand» befunden.

Seit Mitte April müssen sich die Eltern von Lea-Sophie für den Hungertod ihrer Tochter vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt beiden gemeinschaftlichen Mord durch Unterlassen sowie Misshandlung von Schutzbefohlenen zur Last. Zum Prozessauftakt war von Medizinern der katastrophale gesundheitliche Zustand des Mädchens beschrieben worden.

Lea-Sophie war am 20. November 2007 in einer Schweriner Klinik gestorben. Sie wog damals nur noch knapp 7,4 Kilogramm.

Für den Prozess sind acht Verhandlungstage angesetzt. Am 9. Juni soll voraussichtlich das Urteil gesprochen werden.

(ddp)

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