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Berlin (ddp). Sie sind gebildet, erfolgreich und haben Kinder. Nach Ansicht von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) sind sie «Trendsetter» und Vorbilder für alle: junge Eltern, die ihre individuellen Karrieren mit einem erfüllten Familienleben vereinbaren können. Eine neue Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hat sich mit dieser kleinen Gruppe der sogenannten Doppelkarrierepaare mit Kindern erstmals ausführlich befasst.
Im Mittelpunkt der am Mittwoch in Berlin vorgestellten Untersuchung stand die Frage, unter welchen Voraussetzungen junge Paare ein solches Modell leben können. Nach Erkenntnissen der Autorin Helga Lukoschat von der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin ist dieser Weg nur mit einem «Höchstmaß an Engagement» möglich. Die Organisation der Kinderbetreuung und das Zeitmanagement werden demnach als größte Herausforderungen gesehen. Dabei investieren die Eltern «erhebliche finanzielle Mittel» um etwa Babysitter oder Haushaltshilfen zu bezahlen. Zugleich müssen die bekannten Rollenmuster überwunden werden.
Die Akademie hat in einer nicht repräsentativen Umfrage zwischen Mai und November 2007 knapp 1200 Frauen und Männer befragt, die in Partnerschaften mit Kindern leben, in denen beide Partner eine Fach- oder Führungsposition ausüben oder anstreben. Solche Paare sind eine kleine Gruppe in Deutschland - schon der Anteil der Akademikerpaare liegt in Deutschland nur bei sechs Prozent. Diese «gesellschaftliche Avantgarde» leite wichtige Veränderungen ein, lautet das Fazit der Studie. Denn die «neuen Paare» setzten sich für eine familienfreundliche Unternehmenskultur und Chancengleichheit ein. 75 Prozent der weiblichen und 79 Prozent der männlichen Führungskräfte sagen, dass ihr Verständnis für Kollegen mit Familie gewachsen ist.
Die Voraussetzungen für eine gute Vereinbarkeit von Kindern und Karriere sind aber offenbar noch nicht zufriedenstellend. So kritisieren 46 Prozent der Befragten, dass in ihrem beruflichen Umfeld insbesondere auch die tägliche Anwesenheit für künftige Karrierechancen entscheidend sei. Nur in 36 Prozent der Unternehmen werde individuelle Flexibilität unterstützt.
Vor allem Väter berichten von zahlreichen Widerständen und dem Unverständnis, auf das sie in ihrer Firma trafen, als sie den Wunsch nach mehr Zeit mit ihren Kindern äußerten. Nur ein Drittel der Befragten (29 Prozent) ist der Meinung, dass das eigene Unternehmen Väter unterstützt, die Familienpflichten übernehmen wollen. 91 Prozent halten daher Unterstützungsangebote der Unternehmen für dringlich, die sich explizit an Väter richten.
Die Hälfte der Mütter (56 Prozent) und Väter (47 Prozent) sind mit dem Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit unzufrieden und wollen mehr Zeit für die Familie. Dennoch führt der Studie zufolge eine ausgewogene Aufteilung der familiären Aufgaben im Schnitt zu mehr Zufriedenheit.
Ministerin von der Leyen appellierte an die Wirtschaft: «Ohne die Rückendeckung der Arbeitgeber für diese Mütter und Väter geht es nicht.» Sie verwies auf den Fachkräftebedarf und betonte, bei qualifizierten Paaren sei die Wechselbereitschaft besonders hoch, wenn die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht gegeben sei. Die CDU-Politikerin räumte zugleich ein, dass die «neuen Paare» privilegiert seien. Bei sozial benachteiligten Familien setzt die Ministerin daher auf frühkindliche Bildung. Diese Angebote müssten deutlich ausgebaut werden, damit Kinder aus armen Verhältnissen später das Leben führen könnten, das sie sich wünschten.
(ddp)

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