ddp
Nürnberg (ddp-bay). Flocke floppt. Das Eisbärenmädchen bringt dem Nürnberger Tiergarten nicht die erhofften Besucherrekorde, sondern hält die Gäste sogar fern. Für viele sei die Furcht vor einem Ansturm wegen Flocke «ein bisschen abschreckend», schildert Tiergarten-Sprecherin Nicole Mögel die Lage. Während der sonnigen Pfingsttage gingen insgesamt nur 30 000 Tickets über die Verkaufstheke. Der erhoffte «Flocke-Effekt» ist ins Gegenteil umgeschlagen.
Fünf Wochen ist es her, dass rund 430 Journalisten aus aller Welt verfolgten, wie das Eisbärenmädchen in sein neues Freigehege tapste. Mit einem gigantischen Medienspektakel wurde das Jungtier der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Tiergartendirektor Dag Encke rechnete fortan mit bis zu 25 000 Besuchern an Spitzentagen. Eine vergebliche Hoffnung.
Mögel wirkt ein wenig ratlos. Wegen des Medienrummels rechneten viele fälschlicherweise mit Menschenmassen an den Gehegen und verbrächten ihre Freizeit lieber anderswo, sagt sie. Dabei sind die Befürchtungen Mögel zufolge völlig unbegründet. Der Tiergarten stelle sich gerade an Feiertagen auf einen Flocke-bedingten Besucheransturm ein und beschäftige mehr Personal, Parkplätze seien leicht zu finden. «Es gab schon bessere Zahlen zu Pfingsten«, bedauert Mögel mit Blick auf die 30 000 gelösten Tickets.
Im Münchner Tierpark Hellabrunn dagegen lief es an Pfingsten «super», wie der kaufmännische Direktor Walter Schmid berichtet. 22 600 Besucher passierten die Kassenhäuschen. Genau die richtige Zahl, meint Schmid, denn «wenn 12 000 oder 13 000 Leute im Park sind, ist die Grenze des Guten überschritten». Der Direktor berichtet euphorisch von einer «positiven Grundeinstellung zum Thema Zoo», die nicht zuletzt von den zahlreichen Doku-Sendungen herrühre. Über die Tiere in Hellabrunn ist laut Schmid bereits die zweite Staffel in Arbeit.
Auch der Augsburger Zoo zeigt sich insgesamt zufrieden. Die dort gezählten 12 000 Gäste über Pfingsten seien «ganz okay», sagt Sprecherin Maren Reinhardt. Der Augsburger Zoo habe keine «Großtiere, die diesen Hype auslösen» wie Flocke. Aber zwei Giraffen erwarten schon in den kommenden Wochen Nachwuchs. Dann ist der Zoo um zwei neue Attraktionen reicher.
In Nürnberg muss man sich unterdessen damit abfinden, dass selbst eine Attraktion wie Flocke die Erwartungen nicht erfüllt. Die Souvenirs rund um das Eisbärenmädchen verkaufen sich laut Mögel bisher nur »in Teilen sehr gut«. Postkarten, Fotos und Plüschtiere der Eisbärendame seien gefragt, der Verkauf von T-Shirts dagegen laufe «durchwachsen». Mögel will nun möglichst schnell die Botschaft unters Volk bringen, dass man auch in Nürnberg einen gemütlichen Tag im Tiergarten verbringen und dabei in aller Ruhe Flocke einen Besuch abstatten kann. Das alles wieder mit Hilfe der Medien: «Wir hoffen auf eine gute Presse.»
(ddp)

Copyright © 2008 Yahoo! Alle Rechte vorbehalten.