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Lohme (ddp-nrd). Der am Dienstag begonnene Abriss des absturzgefährdeten Diakonieheimes in Lohme auf Rügen kommt gut voran. Schon am ersten Tag sei das Dachgeschoss bereits weitgehend abgetragen worden, sagte der zuständige Projektleiter der Schwedter Spezialfirma 3 S Abriss und Recycling GmbH, Thomas Patzwald. «Wir gehen davon aus, dass das dreigeschossige Gebäude spätestens in sechs Wochen bis auf das Kellergeschoss verschwunden ist.»
Um Gefahren für die Bauarbeiter auszuschließen, wird das Heim Stück für Stück mit einem Hydraulikgreifer abgetragen, der an einem 60 Meter entfernt aufgestellten Autodrehkran montiert wurde. Da die Ruine jederzeit den Steilhang zum darunter befindlichen Hafen hinunterstürzen könne, dürften Bauarbeiter nur im äußersten Notfall die Baustelle betreten, sagte Patzwald. In diesem Fall würden die Mitarbeiter mit Sicherheitsgurten ausgerüstet, die über einen Kran an automatische Aufrollsysteme angeschlossen seien.
Der rund 500 000 Euro kostende Rückbau wird mit 125 000 Euro Sonderzuschüssen des Landes sowie weiteren 75 000 Euro des Landkreises Rügen unterstützt. Den Rest der Aufwendungen trägt die Evangelische Suchtkrankenhilfe der Diakonie Mecklenburg, die das ehemalige Heim nach einem Küstenabbruch im März 2005 räumen musste. Nach Auskunft des Leiters des Amtes Nord-Rügen, Karl-Heinz Walter, werden mit dem Rückbau des Heimes auch die Voraussetzungen für die Ausbaggerung des teilweise verschütteten Sporthafens am Fuße des Küstenhangs geschaffen.
Unterdessen kündigte Landrätin Kerstin Kassner (Linke) ein kurzfristiges Nutzungsverbot für etwa zehn Grundstücke in gefährlicher Hanglage an. Die Häuser, darunter auch Pensionen, Ferienhäuser, ein Hotel und kleine Versorgungseinrichtungen, befänden sich laut einem 2007 erstellten Gutachten in einer Sicherheitszone, die bei starken Regenfällen nicht mehr stabil sei, sagte Kassner: «Es bleibt keine Zeit mehr, wir müssen jetzt handeln und können nicht mehr länger warten.»
In einem Treffen mit betroffenen Anwohnern, Pächtern und Mietern warb sie am Dienstag dafür, «unkonventionelle Wege» zu gehen, um kurzfristig eine Finanzierung für die auf vier Millionen Euro veranschlagte Hangstabilisierung und -entwässerung zu erreichen. Neben der Rücklage der Gemeinde müssten auch Zuschüsse des Kreises, einiger anderer Seebäder und private Gelder aufgebracht werden. Darüber hinaus appellierte sie erneut an das Land, den Kurort Lohme in dieser Lage zu unterstützen.
Die Stimmung im Ort sei derzeit am Boden, sagte der Lohmer Bürgermeister Jörg Burwitz. Das Gespenst des Nutzungsverbots führe zu großer Verunsicherung. Viele sähen ihre wirtschaftliche Existenz ernsthaft in Gefahr. Der Landesregierung warf er vor, nicht angemessen auf die 2007 erstellte Sicherheitsstudie reagiert und ein Jahr vertrödelt zu haben.
Über das weitere Vorgehen wollen am Mittwoch Landrätin Kassner und Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) in einem Krisengespräch beraten. Neben dem Zeitpunkt der Hangsperrung sollen auch darüber geredet werden, welche Rechtsmittel genutzt und inwiefern Leistungen von Banken und Versicherungen in Anspruch genommen werden können.
(ddp)

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