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Von Liebe, Entfremdung und Beziehungsproblemen

ddp - Montag, 12. Mai, 11:01 Uhr

Leipzig (ddp). Bruno Ganz, Nicole Heesters, Erni Mangold, Christiane Paul, Wotan Wilke Möhring, Friedrich von Thun - ein Blick auf die Besetzungsliste der Familiengeschichte «Copacabana» (ARD, 14. Mai, 20.15 Uhr) zeigt, dass Regisseur und Kameramann Xaver Schwarzenberger («Berlin Alexanderplatz», «Otto», «Ödipussi») bei der Auswahl seiner Schauspieler generationsübergreifend aus dem Vollen schöpfen konnte. Beste Voraussetzungen also, um das Familiendrama aus der Feder von Drehbuchautor Stefan Rogall nach allen Regeln der Kunst in Szene setzen zu können. Eigentlich.

Obwohl es mit der Ehe von Herbert (Bruno Ganz) und Maria (Nicole Heesters) nicht zum Besten steht - seit einiger Zeit hat Maria eine Affäre mit dem Arzt Georg (Friedrich von Thun) - will das Paar ihre Rubin-Hochzeit mit der ganzen Familie feiern. Und so kommt es, wie es kommen muss: Alle Kinder reisen mehr oder weniger pünktlich mit Kind und Kegel zur Feier in das schmucke Wochenendhaus der Eltern. Mit im Gepäck haben sie jedoch nicht nur gute Laune, sondern auch jede Menge eigene Probleme. Denn eines scheint die ganze Familie trotz aller Unterschiede gemeinsam zu haben - Kommunikation und Konfliktlösung gehören nicht gerade zu ihren großen Stärken.

Da sind zum einen die älteste Tochter Angelika (Christiane Paul) und ihr Mann Harald (Wotan Wolke Möhring). In ihrer Ehe kriselt es gewaltig und trotz einer Therapie reißen die Spannungen zwischen den beiden nicht ab. Auch die Beziehung zwischen Sohn Mark (David Striesow) und seiner Freundin Sarah (Liane Forestieri) steht unter keinem guten Stern. Sarah möchte für ein Jahr nach Neuseeland, Mark hingegen endlich sein Studium beenden. Außerdem trägt er noch einen verheimlichten Seitensprung mit sich herum. Nesthäckchen Laura (Nina Blum) nutzt das Zusammentreffen, um der Familie ihren neuen Freund Jo (Xaver Hutter) vorzustellen.

Getreu dem Motto «Manchmal ist weniger mehr» kann «Copacabana» die hohen Erwartungen, die sich praktisch unweigerlich mit den großen Schauspielernamen verbinden, aufgrund der Drehbuchvorlage nicht ausnahmslos erfüllen. Zu konstruiert und überladen wirkt bisweilen der absehbare Handlungsstrang zwischen romantischer Kutschfahrt, verheimlichtem Herzinfarkt, dramatischem Schwäche- und unerwartetem Todesfall, der sich fortwährend an den ewig aktuellen Themenkomplexen Liebe, Entfremdung und Beziehungsproblemen entlang hangelt. Lediglich die authentischen Leistungen der Charakterdarsteller und die kameratechnische Inszenierung verleihen dem Film eine sehenswerte Tiefe und untergraben die ansonsten allzu seichte Versandung des Plots.

So weiß etwa Oma Rita (Erni Mangold) durch unvorhersehbare Spontanitäten immer wieder zu überraschen und Reizpunkte zu setzen. Geschickt und alles andere als dement zieht sie im Hintergrund die Fäden und weiß dank offener Augen und Ohren sehr wohl die vordergründige heile Welt zu durchschauen. In ihrer Person vereinen sich schlussendlich nicht nur die Problemlösungen der einzelnen Handlungsstränge. Mit ihr schließt sich auch der Kreis zum Titel des Films «Copacabana», der auf das von ihr so geliebte Lied hinweist, zu dem sie mit ihrem Mann getanzt hat und dessen Name ihrem Enkel Mark leider erst zu spät wieder einfällt.

(ddp)

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