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Lieder für Mamas

ddp - Montag, 12. Mai, 09:34 Uhr

Hamburg (ddp-nrd). Anne Schröders größter Fan ist mittlerweile vier Jahre alt. Er heißt Noah und ist der Sohn der Hamburger Sängerin. Doch eigentlich hat die 39-Jährige ihre Songs nicht für Kinder, sondern für junge Mütter geschrieben. Es sind Lieder aus der Sicht eines Babys. «Hol mich hier raus aus meiner Windel» heißt es auf dem «Mama Liebe Mama»-Album, das jüngst auf den Markt kam. Popsongs mit Botschaften an die Mama, das hat es nach Angaben des Musikverlags Sony ATV noch nicht gegeben. Bei Onlinehändlern wie Amazon kletterte die CD bereits die Charts rauf. «Die Lieder sind entstanden, als Noah zur Welt kam», sagt Anne Schröder. Die Texte flogen ihr quasi zu. «Meine Gedanken kamen schon in Reimen.»

Normalerweise setzt sich die Musikerin, die unter anderem Titelsongs für ZDF-Fernsehserien wie «Girlfriends» schrieb, zum Komponieren bewusst ans Klavier oder an den Computer. Doch dazu blieb nach der Geburt von Noah keine Zeit. «Er hat nur gebrüllt und ich nur gestillt», erinnert sie sich. Beim Stillen kamen ihr plötzlich Zeilen in den Kopf: «Gib mir bitte deine Titte - dann lass ich dich auch in Ruh / Schlürf schlürf schlürf - mhh schmeckt mir das lecker». Wenn Noah sich danach erst mal zufrieden mit sich selbst beschäftigte, ging sie kurz ans Klavier. Abends, wenn ihr Sohn im Bett lag, komponierte sie das Lied zu Ende. So entstand «Hilfe Hilfe - ich verhunger».

Am Wort «Titte» mag sich mancher stoßen, für Anne Schröder ist es aber kein Schimpfwort. «Das war eine animalische Zeit, mit richtig dickem Busen», sagt sie. «Das Wort sprang mich einfach an.» Ihren Freundinnen zumindest, auch junge Mütter, gefiel das Lied von allen sogar am besten. Anne Schröder nahm die Songs zunächst im Heimstudio auf, um sie an Leidensgenossinnen zu verschenken. In Krabbelgruppen sprachen sich die Aufnahmen herum, es kamen die ersten Bestellungen. Später erreichten sie sogar Anfragen aus München. «Es gab einen Schneeballeffekt», sagt die junge Mutter. «Ganz ohne Marketing haben mir viele die CD abgenommen. Das machte mich stutzig.»

Also zog sie die Geschichte professionell auf. Schnell fand sie mit Sony ATV einen Partner. Aus ihren bisherigen Musiker- und Banderfahrungen wusste sie, dass «man sich sonst die Hacken nach einem Verlag abläuft». Die Lieder wurden aufwendig mit Streichern und anderen Instrumenten aufgenommen. Und dann konnte sie die Songs nicht einsingen, weil erst Noah krank war, dann sie selbst, dann wieder Noah. Zu Hause hörte sie derweil ihren Song «Wenn ich krank bin, darfst du nicht weg gehen». Schließlich klappte es doch.

Mittlerweile ist Noah kein Baby mehr und sie hat neue Projekte. Zusammen mit einem Bekannten schrieb sie die Musik für das Schüler-Musical «89», das im nächsten Jahr zum 20. Jahrestag des Mauerfalls zur Uraufführung kommt. Zudem hat sie mit zwei ehemaligen Bandmitgliedern das Trio «Tanztee» gegründet. Geprobt wird, wenn die Kleinen im Kindergarten oder im Bett sind. Ob es eine Fortsetzung der «Mama»-CD mit Songs aus der Sicht eines Zwei- bis Dreijährigen geben wird, weiß sie noch nicht. Eines sei jedoch sicher: Alle bisherigen und künftigen Lieder seien absolut frei von pädagogischen Ambitionen.

(ddp)

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