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Berlin (ddp). Das sogenannte Kampftrinken nimmt unter Jugendlichen alarmierende Ausmaße an. Nach Angaben der Bundesdrogenbeauftragten Sabine Bätzing (SPD) deuten am Pfingstwochenende bekanntgewordene neue Zahlen darauf hin, dass der Anteil der 12- bis 17-Jährigen, die sich mindestens einmal im Monat betrinken, inzwischen bei über 30 Prozent liegt. Der jüngst veröffentlichte Sucht- und Drogenbericht der Bundesregierung für 2007 war noch davon ausgegangen, dass dieser Anteil innerhalb von drei Jahren von 20 auf 26 Prozent angestiegen ist. Am Samstag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einer stärkeren Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs unter Jugendlichen aufgerufen. In der Debatte um exzessiven Alkoholkonsum sprach sich der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hingegen gegen weitere Verbote aus.
Bätzing erläuterte, nicht nur in großen Städten, sondern auch in ländlichen Gebieten nehme das Trinken bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen deutlich zu. Vor allem würden mehr Bier und Wodka geschluckt. Mädchen konsumierten mehr als früher, das regelmäßige Rauschtrinken habe stark zugenommen. «War Alkoholkonsum bisher auf bestimmte Bereiche beschränkt (Kneipe, Wohnung oder Feste), so ist es inzwischen chic und scheinbar normal, von morgens bis abends mit der Bierflasche in der Hand durch die Stadt zu schlendern», mahnte die Drogenbeauftragte. Zumindest unter den jungen Menschen in Deutschland entwickle sich «allmählich eine britische Trinkkultur».
Diesem Prozess solle mit Präventionsmaßnahmen und einer mit den Bundesländern, Verbänden und Bundesministerien abgestimmten Strategie entgegengewirkt werden, betonte Bätzing. Dieses Nationale Aktionsprogramm Alkoholprävention werde zurzeit im Drogen- und Suchtrat beraten. Mit der Umsetzung solle noch in diesem Jahr begonnen werden.
Die Kanzlerin sagte: «Es kann uns nicht kalt lassen, wenn wir immer wieder hören, dass Jugendliche ihre Gesundheit ganz bewusst aufs Spiel setzen, nur weil es gerade in ist.» Wenn im Vorjahr 20 000 Kinder und Jugendliche mit Alkoholvergiftungen stationär in Kliniken behandelt werden mussten, dann seien das "leider keine Einzelfälle». Allein mit Gesetzen könne man das Problem aber nicht lösen. Vielmehr müsse man «im Bereich der Vorbeugung, der Aufklärung arbeiten». Dazu brauche man «Eltern, Mitschüler, Lehrer, die Vertreter des Hotel- und Gaststättengewerbes, also all diejenigen, die mit jungen Menschen Kontakt haben und aufklärerisch tätig werden können», betonte Merkel.
Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband warnte davor, in der Debatte um den exzessiven Alkoholkonsum die Verantwortung allein auf den Handel und die Gastronomie abzuwälzen. Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges sagte in Berlin: «Wir benötigen keine neuen Gesetze, sondern eine konsequentere Kontrolle der bestehenden Vorgaben.» So sei die angekündigte Einschränkung der Alkoholwerbung «rein aktionistisch».
Die Sondersteuer für Alcopops habe lediglich zu einer Veränderung der Trinkgewohnheiten geführt, kritisierte Hartges. Die pro Kopf konsumierte Alkoholmenge bei Jugendlichen sei dennoch gestiegen. Die meisten Gastronomiebetriebe sind nach Ansicht von Hartges mittlerweile für das Problem «sensibilisiert». Die Mehrzahl der Gaststätten halte sich an den Jugendschutz und die bestehenden Abgabeverbote. Mit Blick auf das Problem des «Komasaufens» bei Jugendlichen müsse man im Übrigen «immer im Auge behalten, dass der Konsum in den wenigsten Fällen in unseren Betrieben stattfindet, sondern bei Privatpartys und auf öffentlichen Plätzen».
(ddp)

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