Suche

Häusern am Lohmer Küstenhang droht Nutzungsverbot

ddp - Donnerstag, 8. Mai, 12:17 Uhr

Lohme (ddp-nrd). Wegen der seit Jahren instabilen Lage eines Küstenhangs in Lohme schließt der Landkreis Rügen langfristig einen Nutzungsentzug für mehrere Gebäude und Grundstücke in Hanglage nicht mehr aus. Laut einem Gutachten sei die Standsicherheit des Küstenabschnitts nicht mehr gewährleistet, sagte Landrätin Kerstin Kassner (Linke) am Donnerstag in Baabe. Darauf müsse die Untere Bauaufsicht entsprechend reagieren, um Gefahren abzuwehren.

Betroffen sind etwa zehn Wohn- Ferienhäuser, Bungalows, ein Hotel, ein kleines Café sowie ein Kiosk. Diese Gebäude befinden sich jenseits einer Sicherheitslinie, die Experten vor einem Jahr nach umfassenden Boden- und Grundwasseruntersuchungen empfohlen hatten. Gutachter Jörg Gothow sagte, der Hang sei unter bestimmten Wetterbedingungen an einigen Stellen labil. Die Standsicherheit, die zur Erteilung neuer Baugenehmigungen mindestens 40 Prozent über der natürlichen Standsicherheit liegen müsse, sei nicht mehr gegeben.

Nach heftigen Regenfällen vor drei Wochen hatten die Behörden kurzfristig bereits den gesamten Hafen unterhalb der Gefahrenstelle gesperrt. Inzwischen habe sich die Situation aber wieder deutlich entspannt, sagte Gothow. Täglich falle der Grundwasserpegel derzeit um mehr als einen Zentimeter. Der Hafen und auch eine zu ihm hinunter führende Treppe seien wieder freigegeben worden. Auch der für kommende Woche geplante Abriss des am Abhang stehenden früheren Diakonieheimes könne beginnen. Die Standsicherheit der dafür erforderlichen Autokräne sei gegeben, versicherte der Experte.

Gefahr drohe vor allem dann, wenn es heftig geregnet habe oder nach Schneefällen Tauwetter einsetze, sagte der Chef des zuständigen Amtes Nord-Rügen, Karl-Heinz Walter. In diesen Fällen müsse auch über einen zwangsweisen Entzug der Nutzungsgenehmigung nachgedacht werden.

Eine kurzfristige Schließung der Häuser sei jedoch vorerst nicht vorgesehen, versicherte Landrätin Kassner. «Ich werde mich in der kommenden Woche mit den betroffenen Anwohnern und Hausbesitzern zu einem Gespräch treffen, um über ein gemeinsames weiteres Vorgehen zu beraten.» Erforderlich seien vor allem finanzielle Hilfen durch das Land. Für schätzungsweise eine Million Euro könnten kurzfristig bessere Sensorsysteme zur Hangüberwachung installiert und eine Stabilisierungswand am Treppenabgang zum Hafen gebaut werden.

Laut dem Gutachten von 2007 würde die komplette Sicherung des Lohmer Hanges etwa vier Millionen Euro kosten. Dazu gehörten der Einbau einer Drainage sowie der Einbau von Verdübelungen und Vorschüttungen auf der Seeseite. Seit dem Abbruch eines benachbarten Küstenplateaus im März 2005 hat das Land bereits über zwei Millionen Euro in Lohme investiert. Unter anderem wurden damit zwei Gutachten erstellt und eine neue Dorfstraße, inklusive Regenentwässerung, gebaut.

(ddp)

Bewerten Sie diesen Artikel


Foren

Copyright © 2008 Yahoo! Alle Rechte vorbehalten.