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Gefährdete Vielfalt

ddp - Donnerstag, 8. Mai, 10:59 Uhr

Berlin (ddp). Rund anderthalb Wochen vor dem am 19. Mai in Bonn beginnenden Weltnaturschutzgipfel rufen Vertreter von Koalition und Opposition im Bundestag zu verstärkten Anstrengungen zum Schutz der biologischen Vielfalt auf der Erde auf. Die weitere Zerstörung der Biodiversität stelle «ähnlich wie der Klimawandel eine massive Gefährdung der weltwirtschaftlichen Entwicklung dar», sagte Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) am Donnerstag im Parlament. Es sei daher von enormer Bedeutung, dass bei der Bonner Konferenz «wirksame Maßnahmen» beschlossen würden, um eine Trendwende einzuleiten.

Nach der Roten Liste der Weltnaturschutzunion von 2006 sind weltweit 20 bis 23 Prozent der Säugetiere, 12 Prozent der Vögel und 31 Prozent der Amphibien gefährdet. Von den einheimischen rund 3000 Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands sind laut Bundesregierung 26,8 Prozent bestandsgefährdet und von den einheimischen Tierarten 36 Prozent.

Gabriel verwies darauf, dass bis 2010 die Arbeiten an einem «internationalen Regelungswerk zu genetischen Ressourcen und gerechtem Vorteilsausgleich» abgeschlossen werden sollen. Er forderte, vor allem auch die Interessen der Entwicklungsländer zu berücksichtigen. Es gehe nicht nur um den Artenschutz, »wir werden einen wirtschaftlichen Interessenausgleich machen müssen«, sagte der Ressortchef.

Auch Unions-Fraktionsvize Katherina Reiche (CDU) mahnte, der Weltnaturschutzgipfel müsse ein Erfolg werden. In den vergangenen 50 Jahren habe der Mensch das Ökosystem schneller und weitreichender verändert als je zuvor. Dies habe zu einem teilweise irreversiblen Verlust der Vielfalt des Lebens auf der Erde geführt. Die Bonner Konferenz sei mit die letzte Gelegenheit, den Beschluss des Johannesburger Weltgipfels 2002 tatsächlich umzusetzen, den Verlust von biologischer Vielfalt zu begrenzen.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast betonte, da die biologische Vielfalt Grundlage für das Überleben des Menschen sei, gehe es bei dieser Frage um «Hardcore-Politik» und nicht um ein «Schönwetter-Thema». Die Industriestaaten dürften nicht so wie jetzt «über dem Limit leben», mahnte Künast. «Wir hier verbrauchen mehr, als uns zusteht«, fügte sie hinzu. Dies geschehe auf Kosten der Entwicklungsländer. Es müsse verhindert werden, dass multinationale Konzerne die Kontrolle über Saatgut und genetische Ressourcen haben und damit etwa »die Ureinwohner in vielen Regionen kalt enteignen".

Die FDP-Abgeordnete Angelika Brunkhorst plädierte für eine weitere Vernetzung von Schutzgebieten. Der Schutz der biologischen Vielfalt erfordere aber nicht nur Anstrengungen des Staates, sondern auch der Industrie und Landwirtschaft sowie des einzelnen Bürgers. Die FDP-Politikerin sprach sich zudem dafür aus, Biodiversität als eigenständiges Forschungsgebiet anzuerkennen und dieses gut ausstatten. Auch müsse der wirtschaftliche Nutzen der biologischen Vielfalt gerade für Schwellen- und Entwicklungsländer mehr herausgestellt werden.

Für die Links-Fraktion kritisierte ihr Abgeordnete Lutz Heilmann, die Bundesregierung wolle den Eindruck vermitteln, Deutschland sei der «Saubermann» beim Artenschutz. Tatsächlich fehlten aber bei der nationalen Strategie zum Schutz der Artenvielfalt konkrete Maßnahmen zur zügigen Umsetzung der Ziele sowie Sanktionsmöglichkeiten zu deren Durchsetzung. Vor allem aber fehle eine wirksame öffentliche Kontrolle.

(ddp)

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