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Der letzte Held des 20. Juli 1944

ddp - Donnerstag, 8. Mai, 15:03 Uhr

Ahrweiler (ddp-rps). Genau 63 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs ist am Donnerstag das letzte Mitglied der Verschwörergruppe des Hitler-Attentats vom 20. Juli 1944 zu Grabe getragen worden. Rund 800 Trauergäste nahmen am Donnerstag in Ahrweiler Abschied von Philipp Freiherr von Boeselager, der vergangene Woche im Alter von 90 Jahren auf seiner Burg im Ahrtal gestorben war.

An der Trauerfeier in der St. Laurentius Pfarrkirche in Ahrweiler nahmen neben der Familie Boeselagers auch zahlreiche geladene Gäste teil, unter anderem Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan sowie der stellvertretende Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Innenminister Karl Peter Bruch (SPD). Der Trauergottesdienst wurde über Lautsprecher auf den Vorplatz übertragen, wo sich zahlreiche Menschen versammelt hatten.

Jung würdigte Boeselager als große Persönlichkeit und Vorbild. «Er gehörte zu den Männern und Frauen, die in den dunklen Jahren der nationalsozialistischen Barbarei zum Äußersten entschlossen waren und den Mut aufbrachten, gegen Unrecht, Willkür und Menschenverachtung aufzustehen», sagte Jung. Die Bundeswehr stehe in der Tradition des Widerstands gegen Hitler.

Boeselager hatte für das von Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg ausgeführte Attentat den Sprengstoff besorgt. Das Attentat schlug allerdings fehl, Hitler überlebte leicht verletzt. Bereits 1943 war der Wehrmachtsoffizier am Versuch eines Attentats auf Adolf Hitler beteiligt gewesen. Boeselager war von den Mitverschwörern später nicht verraten worden.

Bruch nannte den Verstorbenen einen «großen deutschen Patrioten», der den Deutschen durch seinen Widerstand ein großes Geschenk, aber auch eine große Verpflichtung zum Einsatz für einen demokratischen Rechtsstaat und Toleranz mitgegeben habe. Andere Redner lobten Boeselagers späteres soziales Engagement.

So hatte Boeselager nach dem Krieg an der Gründung des Malteser Hilfsdienstes in Deutschland mitgearbeitet und war darüber hinaus bei zahlreichen Verbänden aktiv. Bis zuletzt berichtete er vor Schulklassen über seine Erlebnisse als Widerstandskämpfer. Erst kurz vor seinem Tod habe er sich zudem noch für ein blindes Mädchen aus Jugoslawien erfolgreich eingesetzt, berichtete der Ahrweiler Landrat Jürgen Pföhler.

Gesprochen habe von Boeselager über seine guten Taten selten, bekannte der Neffe des Verstorbenen, Michael Prinz zu Salm-Salm, in einer bewegenden Ansprache. Auch wenn viele seinen Onkel als «kantige Persönlichkeit» bezeichnen würden, habe dieser sich vor allem durch «Charme, Charisma, Witz und gelegentlich ein Stückchen Frechheit» ausgezeichnet. Man habe ihm nur schwer widersprechen können, auch wenn er manches Mal Unmögliches gefordert habe, so sein Neffe: «Ich glaube, nach dem misslungenen Attentat schien ihm keine Aufgabe zu schwer.»

Nach einem militärischen Ehrengeleit sollte Boeselager am späten Nachmittag im engsten Familienkreis neben der Familienkapelle auf Burg Kreuzberg beigesetzt werden.

(ddp)

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