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München (ddp-bay). Die Bayern haben ein neues Problemtier. Nachdem Braunbär Bruno 2006 nach seinen Streifzügen durch die Alpen abgeschossen wurde, haben es die zuständigen Behörden im Freistaat nun auf einen anderen Unruhestifter abgesehen: die Graugans. Münchner Bürger stören sich am Gänsekot in den Parks der Landeshauptstadt. Nun hat sich die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung die offizielle Erlaubnis eingeholt, die Tiere zu töten - und die Umweltverbände der Stadt gehen auf die Barrikaden.
Rund um den Kleinhesseloher See im Englischen Garten tummeln sich zahlreiche Graugänse zwischen den Sonnenbadenden auf den Wiesen. Was für die einen zur Parkidylle gehört, ist für die anderen ein echtes Ärgernis. In den vergangenen Monaten und Jahren hätten sich immer wieder Bürger beschwert, sagt Christopher Habl vom Münchner Kreisverwaltungsrat. Die einen stören sich schlicht am Kot auf dem Rasen, die anderen fürchten sich vor Krankheitserregern. Zwischen 600 und 800 Graugänse gibt es laut Habl in der Stadt - nach Ansicht seiner Behörde zu viel.
Nun sollen einige der Gänse aus dem Englischen Garten und dem Nymphenburger Park ihr Leben lassen. Zunächst würden rund 30 Tiere eingefangen und getötet, sagt Habl. Sollte sich der Schritt bewähren, könnten künftig 100 bis 150 Gänse pro Jahr auf diesem Weg aus den Münchner Parks verschwinden.
Umweltschützer wettern, der Plan sei «völlig unverhältnismäßig». Das Vorhaben sei eine «sinnlose Hau-Ruck-Aktion» und «reines Stümpertum», schimpft Martin Hänsel, stellvertretender Geschäftsführer des Bundes Naturschutz in München. «Hier wird ein Problem hochgeredet», sagt er. Die Anzahl der Gänse in München sei minimal. In anderen Regionen wie Hamburg oder am Niederrhein gebe es viele Tausende Tiere. Auch von einer Gesundheitsgefahr in den Münchner Parks könne keine Rede sein.
Besonders perfide ist aus Hänsels Sicht die geplante Taktik bei der Aktion. Jäger sollen die Gänse in der sogenannten «Mauserzeit» einfangen, wenn die Tiere ihr Gefieder wechseln und nicht wegfliegen können. Und: In dieser Zeit machten viele Gänse von außerhalb Station in München, sagt Hänsel, «da geht die Aktion am Ziel vorbei.»
Auch von Wissenschaftlern kommt Kritik. Die Mauserzeit sei die Brutzeit, sagt die Ornithologin Susanne Homma. Diese Schonzeit zu brechen, sei nicht gerechtfertigt - «vor allem nicht wegen ein bisschen Gänsekot und ein paar angefressenen Primelchen». Vermutlich schließe sich die kurzfristige Lücke im Gänse-Bestand ohnehin schnell wieder. «Nachhaltig ist so eine Aktion nicht», sagt sie.
Viele Bürger, die sich offenbar nicht vom Gänsekot gestört fühlen, schimpfen bereits auf die «tötungslustigen Entscheidungsträger» und auf die «vornehme Gesellschaft», die «wegen ein bisschen Gänsedreck» sinnlos Tiere töten wolle. Am Kleinhesseloher See bringen sich mittlerweile die ersten Gänse-Freunde mit Plakaten in Stellung.
Der Wildbiologe Andreas König verteidigt das Vorhaben dagegen. Mit einer Arbeitsgruppe der Technischen Universität München begleitet er die Aktion und wertet die Ergebnisse aus. Das Projekt habe nicht den Anspruch, alle Probleme zu lösen, versucht er zu beschwichtigen. Es sei ein Test, um zu sehen, wie Bayern seine allgemeinen Schwierigkeiten mit Wasservögeln in den Griff kriegen könne. «Gänseprobleme» gebe es nämlich überall im Freistaat, sagt König, «die Bestände explodieren überall».
Wie man mit Massen an Gänsen ganz anders umgehen kann, zeigt das Beispiel der Region Niederrhein. Jedes Jahr überwintern dort rund 150 000 arktische Wildgänse und nehmen Wiesen und Weiden in Beschlag. Die Region hat den Ärger kurzerhand in touristischen Nutzen umgemünzt - und bietet in den Wintermonaten seit Jahren «Gänsetouren» an.
(ddp)

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