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Berlin (ddp-bay). Gut eine Woche nach der Rücktrittsankündigung von Wolfgang Wagner als Festivalleiter in Bayreuth hat seine Nichte Nike die Festspielleitung scharf kritisiert. «Die interne Machtpolitik hat das geistige Niveau des Hauses heruntergewirtschaftet», sagte die Leiterin des Kunstfestes Weimar der Zeitschrift «Vanity Fair» laut Vorabbericht vom Mittwoch. In der aktuellen Diskussion um die Nachfolge Wolfgang Wagners sollten deshalb andere Kriterien als familiäre Bande die Hauptrolle spielen. «In der vierten Generation ist eine dynastisch geführte Firma in Gefahr, zu zerbröckeln. Es ist pure Genromantik, wenn die deutsche Nation am Blutsmythos Bayreuth festhält», kritisierte Nike Wagner.
Die Kulturwissenschaftlerin ist die Tochter von Wolfgang Wagners älterem Bruder Wieland. Die Brüder leiteten die Festspiele bis zu Wielands Tod 1966 gemeinsam. «Mein Vater hat Bayreuth nach dem Zweiten Weltkrieg künstlerisch gerettet», betonte Nike Wagner und fügte hinzu: «Sein Bruder wäre verloren gewesen ohne ihn.» Wolfgangs über 40-jährige Alleinherrschaft beruhe «auf dem Ruhm und den Ideen jenes ´Neubayreuth´, das Wieland Wagner geschaffen hatte».
Künftig wollen Wolfgang Wagners Töchter Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier gemeinsam die Festspielleitung übernehmen und haben dem Stiftungsrat bereits ein Konzept vorgelegt. Nike Wagner, die sich selbst gemeinsam mit ihrer Cousine Eva Wagner-Pasquier um die Nachfolge beworben hatte, zeigte sich von Katharina Wagner wenig überzeugt: «Ich sehe nur das reibungslose Hineinrutschen in die von den Eltern vorgestanzte Rolle. Der Rest ist Politik und die brachiale Mediatisierung ihrer Figur.» Man habe sich auf die «Wolfgang-Töchter» verständigt und damit «gegen eine inhaltliche Neubestimmung, wie sie mich interessieren würde», sagte Nike Wagner. Jede Spekulation auf eine «Dreierlösung» nannte sie «realitäts- und theaterfremd».
(ddp)

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