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«Bibliothek der verbrannten Bücher» soll nach Augsburg

ddp - Mittwoch, 7. Mai, 12:15 Uhr

München (ddp-bay). Die berühmte «Bibliothek der verbrannten Bücher» soll in Augsburg eine dauerhafte Bleibe finden. Mit knapper Mehrheit sprach sich am Mittwoch der Kulturausschuss des Bayerischen Landtages für die schwäbische Stadt als Standort der Privatsammlung des Münchners Georg Salzmann aus. Die Stadt Nürnberg, die sich ebenfalls um die Bibliothek beworben hatte, hätte damit das Nachsehen.

«In Augsburg kann das Projekt schneller realisiert werden», sagte die SPD-Landtagsabgeordnete Hildegard Kronawitter auf ddp-Anfrage. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Tatsache, dass in Augsburg Stiftungsgelder in Höhe von 100 000 Euro für den Ankauf der Sammlung mobilisiert werden können. Außerdem bestehen laut Kronawitter bereits Kontakte zu einem Sponsor, der weitere Mittel beisteuern könnte.

Zuvor war dem Ausschuss ein Gutachten präsentiert worden, in dem Experten der Bayerischen Staatsbibliothek die «Einzigartigkeit» der Sammlung bestätigen. Sie sei ein Ensemble, dem im privaten Bereich nichts entgegengestellt werden könne. «Heutzutage dürfte es kaum noch möglich sein, eine derartige Sammlung in vorliegender Fülle zusammenzubringen.»

Salzmann sammelt seit mehr als 30 Jahren Erstausgaben jener Schriftsteller, die bei den Bücherverbrennungen im Mai 1933 auf den schwarzen Listen der Nazis standen. Damals wurden die Werke jüdischer, marxistischer und pazifistischer deutschsprachiger Schriftsteller öffentlich verbrannt, um ihr Werk aus dem Gedächtnis der Menschen auszutilgen. Das Ereignis der Nazi-Bücherverbrennungen jährt sich am Samstag zum 75. Mal

Die Bibliothek umfasst etwa 14 500 Bände. Etwa 80 Autoren sind in Salzmanns Archiv fast vollständig oder lückenlos dokumentiert, weitere 30 Autoren zumindest mit ihren wichtigsten Werken. Salzmann will seine Bibliothek nur verkaufen, wenn gesichert ist, dass sie in Zukunft von jedermann frei eingesehen werden kann. Die Universität Augsburg hat laut Kronawitter ein Konzept vorgelegt, wonach die Sammlung mit einem eigenen Platz in die Unibibliothek integriert werden soll. Nürnberg wollte die Bibliothek im NS-Dokumentationszentrum auf dem früheren Reichsparteitagsgelände präsentieren.

(ddp)

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