Suche

Kontroverse um Tigertötung in Magdeburg

ddp - Dienstag, 6. Mai, 17:02 Uhr

Magdeburg (ddp-lsa). Nach dem umstrittenen Einschläfern von drei nicht reinerbigen Tigerbabys im Zoo Magdeburg hat Zoodirektor Kai Perret seine Entscheidung gerechtfertigt. Das Töten diene dem Artenschutz und sei vom Tierschutzgesetz gesichert, sagte Perret am Dienstag in Magdeburg. Er habe gemeinsam mit dem Tierarzt, dem Zooinspektor sowie dem Bereichsleiter am Montag entschieden, den neugeborenen Nachwuchs der Sibirischen Tigerkatze «Kolina» und des nicht reinerbigen Vaters «Taskan» einschläfern zu lassen. Die Entscheidung stößt bei Tierschützern auf Kritik. Sie haben nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen den Zoo erstattet.

Erst im Februar war laut Perret durch eine neue Untersuchungsmethode bekanntgeworden, dass Taskans Vorfahren nicht nur vom Sibirischen, sondern auch vom Sumatra-Tiger abstammen. Zu diesem Zeitpunkt war «Kolina» jedoch schon trächtig. Zudem sei das Tigerpaar als Zuchtpaar ausgewiesen gewesen, als es im November 2006 im Zoo aufgenommen wurde. «Wir haben lange überlegt, und die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen», unterstrich Perret. Ein Schwangerschaftsabbruch hätte ein zu hohes Risiko für die Mutter bedeutet, fügte er hinzu.

Auch wollte der Zoo die Jungen nicht an «dubiose Händler» verkaufen. Ein ausgewachsener Sibirischer Tiger erziele auf dem Schwarzmarkt einen Preis von rund 30 000 Dollar, sagte Perret. Eine Weitergabe an einen Zirkus sei ebenfalls ausgeschlossen gewesen.

Mittlerweile wurden die beiden Elterntiere getrennt und das Männchen vor zwei Wochen kastriert. Bald werden sich beide wieder ein Gehege teilen. Noch sei unklar, was aus «Taskan» wird. «Eine Tötung kann ich nicht ausschließen», sagte Perret. Im September werde auf einer Tagung des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms in Antwerpen entschieden, was mit den insgesamt 31 nicht reinerbigen Tigern aus europäischen Zoos passiert. Insgesamt sind 17 Zoos in Europa betroffen, vier davon in Deutschland.

Nach Angaben des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte und der Tierschutzorganisation Animal Public liegt kein vernünftiger Grund für die Tötung vor. Deshalb hätten sie Strafanzeige erstattet. Aus ihrer Sicht liegt der Verdacht des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz vor. «Die Verantwortlichen im Zoo Magdeburg haben hier ungeprüft vorsätzlich gezüchtet und die Jungtiere dann einfach getötet», sagte der Bundesverbands-Vorsitzende Kurt Simons.

Unterdessen lagern die zwei toten männlichen Jungtiere und das tote Weibchen Perret zufolge in Kühltruhen des Zoos. «Wir haben sie eingefroren und für etwaige Untersuchungen vorbehalten», sagte der Zoodirektor. Eventuell werden sie an die Universität Göttingen zu Lehrzwecken übermittelt.

Das Tigerpaar lebt den Angaben zufolge seit etwa zwei Jahren im Magdeburger Zoo. Das Männchen stammt aus dem hamburgischen Tierpark Hagenbeck, das Weibchen aus dem Zoo Hannover. In europäischen Zoos gibt es Perret zufolge 260 Sibirische Tiger. In ihrem natürlichen Lebensraum im Osten Russlands sowie angrenzenden Gebieten sind noch 500 Tiere bekannt.

(ddp)

Bewerten Sie diesen Artikel


Foren

Copyright © 2008 Yahoo! Alle Rechte vorbehalten.