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Hochprozentiges im Profi-Test - Mitarbeiter der DLG unterziehen Spirituosen in Groß-Umstadt einer harten Prüfung --Von ddp.djn-Korresponde

ddp - Dienstag, 6. Mai, 15:46 Uhr

Groß-Umstadt (ddp.djn). Mit dem Auto kann Klaus Malinowsky in dieser Woche nicht zur Arbeit fahren. Der Prüfer für Spirituosen hat in der Stadthalle im hessischen Groß-Umstadt ein hartes Programm vor sich. Gemeinsam mit seinen 23 Kollegen muss der 41-Jährige 450 hochprozentige Getränke kosten und bewerten. Bevor Hersteller von Spirituosen ihre Produkte mit einem Prüfsiegel der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) versehen können, muss Malinowsky die Getränke erst auf Geruch, Geschmack, Farbe und Klarheit untersuchen.

«Wir kommen alle zu Fuß», versichert Malinowsky. Aber betrunken sei wegen der alkoholhaltigen Prüfung niemand. «Wir neutralisieren viel, halten Pausen ein und probieren nur tröpfchenweise», sagt Malinowsky. Der studierte Gärungstechnologe ist bei der diesjährigen Qualitätsprüfung der DLG im südhessischen Groß-Umstadt der Prüfgruppe der «klaren extraktarmen Spirituosen» zugeteilt. Malinowsky schnuppert und probiert damit im Laufe eines Tages verschiedene Wodkas, Korn und Aquavite.

Vor allem mit Wodka kennt sich der Berliner Malinowsky aus, denn außerhalb der einmal im Jahr anstehenden DLG-Prüfung ist er Betriebsleiter eines Wodkaproduzenten. «Auch wenn die Arbeit hier ehrenamtlich ist, es sind keine Laien am Werk, sondern nur Vertreter aus der Spirituosenindustrie und von Kleinbrennereien», sagt Thomas Burkhardt, Projektleiter Getränke bei der DLG.

Um als sensorischer Tester arbeiten zu dürfen, ist zunächst ein DLG-Prüfpass erforderlich. In einem zweitägigen Sensorikseminar müssen die Prüflinge trainierte Nasen und geschulte Gaumen nachweisen. So müssen Lösungen unterschiedlicher Stärke geschmeckt und in der richtigen Reihenfolge eingeordnet werden. Auch müssen Fehler einzelner Produkte bei der Herstellung herausgeschmeckt werden. Neben Geschmacksprüfungen stehen auch visuelle Tests an. «Bei Likören kommt es ja sehr stark auf die Farbe an, da gibt es sehr sensible Tests, was die Farbabstufungen angeht», sagt DLG-Fachmann Burkhardt.

Auch vor den Verkostungen in Groß-Umstadt müssen die Prüfer sich in einer «Einstimmungsübung» noch mal beweisen. «Wir wollen verhindern, dass jemand nicht fit ist, zum Beispiel, wenn bei ihm eine Erkältung im Anmarsch ist», sagt Burkhardt.

Der DLG-Leitung in Groß-Umstadt schienen alle 24 angetretenen Tester in ausreichender Tagesform, um die 450 Spirituosen in sechs Prüfgruppen zu beschnuppern und zu schmecken. 375 Euro lassen sich die jeweiligen Hersteller die Prüfung kosten, um nach Möglichkeit eines der Medaillenprüfsiegel in Gold, Silber oder Bronze zu erhalten.

Bei der Qualitätsprüfung 2007 erhielten immerhin 68 Produkte die Auszeichnung in Gold. Dafür sind mindestens 4,6 von maximal fünf Punkten erforderlich. Vor den sensorischen Tests erfolgt zunächst die Prüfung im Labor bezüglich korrekter Etikettierung. Die vier Prüfer einer Gruppe erhalten dann für ihre Verkostung das Produkt in einer neutralen Flasche ohne Etikett und lediglich mit einem Hinweis auf die Höhe des Alkoholgehalts.

Die Prüfer sollen dann mögliche Fehler bei der Herstellung herausschmecken. «Wenn ein Destillationsprozess nicht ordentlich von der Gärung abgetrennt wird, entstehen höhere Alkohole, die schmeckt man raus», sagt Prüfer Malinowsky. Diese sogenannten Fuselöle seien es auch, die beim übermäßigen Genuss des betreffenden Getränks einen «dicken Kopf» verursachten. Die Hersteller der Produkte erhalten dann nach der Qualitätsprüfung eine Expertise, in der auf Fehler bei der Produktion hingewiesen wird. Sind sich die vier Prüfer bei einem Produkt nicht einig, muss das Getränk in eine zweite Prüfgruppe gegeben werden. «So etwas kommt aber vielleicht alle zwei Jahre mal vor», sagt Burkhardt.

Die Prüfung der harten alkoholischen Getränke ist übrigens keine reine Männersache: Unter den 24 Prüfern in Groß-Umstadt sind auch fünf Frauen. Für mögliche geschlechtsspezifische Vorlieben lässt der harte Job des Spirituosenkosters keinen Raum. «Da muss jeder mal alles probieren, Frauen einen Whiskey und wir Männer auch mal einen süßen Likör», sagt Malinowsky, der nach eigener Einschätzung lediglich «für die Obstbrandgruppe» ungeeignet ist, da dafür erntespezifische Kenntnisse erforderlich seien. Privat trinkt der 41-Jährige ohnehin am liebsten «einen ordentlichen Whiskey».

ddp.djn/ote/mbr

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