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Hassenhausen (ddp-lsa). In den Geschichtsbüchern wird Hassenhausen selten erwähnt. Das Dorf mit seinen 364 Einwohnern im südlichen Zipfel von Sachsen-Anhalt kennt kaum jemand. Von der großen Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt, in der Napoleons Armee die Preußen 1806 vernichtend schlug, berichten die Schulbücher dagegen bis heute. Dabei sei in Hassenhausen europäische Geschichte geschrieben worden, sagt Hans-Dieter Braune. Der Heimatforscher wird nicht müde, die Erinnerungen an das Ereignis wachzuhalten, das einst rund 15 000 Soldaten das Leben kostete.
Die Militärs dachten vor über 200 Jahren nüchtern, sagt er. Große Schlachten wurden nach dem Sitz der Hauptquartiere benannt. Dass die heftigen Kämpfe an einem anderen Orten stattfanden, spielte keine Rolle. Dabei trafen die Truppen am 14. Oktober 1806 rund um das Dorf Hassenhausen aufeinander. Der preußische Oberbefehlshaber Herzog Carl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig erlitt wenige hundert Meter vom Pfarrhaus tödliche Verwundungen. Napoleon ebnete sich mit dem Sieg über die Übermacht der Preußen den Weg nach Berlin.
Das damalige Wohnhaus des Geistlichen von Hassenhausen ist seit Anfang der 90er Jahre Gedenkstätte. Originalgetreu restauriert bietet es historischen Sachzeugnissen Platz. «Nach der Wende konnten wir viel erreichen», erzählt Braune. 150 000 Euro aus Fördertöpfen, der Gemeindekasse und aus Spenden flossen in das Projekt. Neben ehrenamtlichen Mitarbeitern arbeiten dort Ein-Euro-Jobber.
Dass das Pfarrhaus einmal eine solche Funktion erhält, hätte der Heimatforscher zu DDR-Zeiten nicht gedacht. Schon seit den 50er Jahren sammelte er alles über die Schlacht von Hassenhausen. Auf den Feldern kamen regelmäßig Kanonenkugeln, Kartätschen oder Uniformknöpfe ans Tageslicht. Stillschweigen bewahrte man, als 1972 und 1974 bei Schachtarbeiten in der Nähe des Dorfes Massengräber entdeckt wurden. Die Ruhe der Toten sollte nicht gestört werden. Überhaupt waren es viele Einzelpersonen, die damals die Geschichte aufarbeiteten, Dokumente bewahrten, die heute als Leihgaben im Museum zu betrachten sind.
Braune gehörte zu den Wenigen, die 1986 das verfallende Denkmal für den Braunschweiger Herzog nicht gleichgültig ließ. Ohne offizielle Unterstützung und mit etwas Geld aus dem Westen, das für die Beschaffung von Baumaterial unverzichtbar war, schafften sie die Instandsetzung.
1991 wurde dann der Verein Hassenhausen 1806 gegründet. Vorsitzender ist Pfarrer Ulrich Huppenbauer. Ihm gelang es, auch den Gemeindekirchenrat zu überzeugen, das historische Pfarrhaus zur Gedenkstätte umzugestalten. «Es ging von Anfang an um keine Verherrlichung der Schlacht, genau das Gegenteil war der Fall», sagt er. Außerdem habe das Gebäude wie auch die angrenzende Kirche einst als Lazarett gedient.
Einige alte Kirchenbücher belegen das Leid der Opfer der Schlacht. Sie dienten dazu, zerschossene Knochen zu schienen. Die Blutflecken sind bis heute erhalten. Ebenso die Erinnerungen von Pfarrer Tieze, der die Ereignisse rund um die Schlacht festgehalten hat. Der Augenzeugenbericht mache das Grauen der Kämpfe deutlich, berichtet sein Amtsnachfolger.
Gegenwärtig vermissen Besucher die Exemplare in den Ausstellungsvitrinen. «Wir haben sie an das Museum Fridericianum in Kassel ausgeliehen», erzählt Huppenbauer. Dort ergänzen sie die Ausstellung «König Lustik». Als «Gegenleistung» erhalten die Hassenhauser Kopien der historischen Dokumente, die künftig zu sehen sein werden. Die Originale können dann sicher im Tresor aufbewahrt werden.
Der Pfarrer lobt zudem die enge Kooperation mit dem Braunschweigischen Landesmuseum. Es unterstützt die Gedenkstätte besonders intensiv. Von dort kommen Leihgaben, die Experten fertigten Schautafeln an und beraten ständig über die Gestaltung der Exposition. Das mache Mut, trotz bescheidener Besucherzahlen an dem Projekt festzuhalten.
(hassenhausen.com)
(ddp)

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