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Bremerhaven (ddp-nrd). Tauchlehrer Vaniah gleitet an einem fast toten Korallenriff entlang. Der junge Mann ist auf Samoa in der Südsee zu Hause. Er kennt die Unterwasserwelt seit seiner Kindheit und erlebt hautnah, wie die immer häufigeren tropischen Wirbelstürme Korallen absterben lassen. Vaniahs Heimat liegt auf derselben geografischen Linie wie das in Bau befindliche Klimahaus in Bremerhaven. Dort können ab März 2009 die Besucher eine Reise um die Erde entlang des achten Längengrades Ost machen. Dabei lernen sie unterschiedlichste Wetterphänomene und die Folgen des Klimawandels kennen, wie der Geschäftsführer der Klimahaus Betriebsgesellschaft, Arne Dunker, sagt.
Die «Reise» des Besuchers startet am nachgebildeten Bremerhavener Bahnhof, Gleis 2, und führt zunächst in die Schweiz, dann rund um die Erdkugel bis zur Hallig Langeneß, wie die wissenschaftliche Ausstellungsleiterin, Susanne Nawrath, erläutert. An jeder der insgesamt neun Stationen soll der Besucher mit all seinen Sinnen den Ort authentisch erleben: Schwitzend bei 35 Grad und von Fliegen umschwirrt in der Wüste der Sahelzone und frierend bei Minusgraden in der Antarktis, wo Eis an den Wänden klebt und Schnee umherwirbelt.
In begleitenden Filmen werde gezeigt, wie stark der Alltag der Menschen durch das jeweilige Klima bestimmt werde, sagt Nawrath. Zwei Jahre lang hatte ein Filmteam den achten östlichen Längengrad bereist. In den Filmen lernen die Ausstellungsbesucher auch Tauchlehrer Vaniah kennen, dessen Heimat teilweise in einem der größten Räume des verschachtelten Klimahauses nachgebaut wird. In feuchtwarmer Umgebung führe der Weg vorbei an üppigem Grün und einem echten typischen Wohnhaus zum Strand, sagt Nawrath. Dort könne der Besucher scheinbar unter Wasser gehen und in riesigen Aquarien die Unterwasserwelt der Südsee erleben.
Am Ende der Reise gelangt der Besucher zu begehbaren Zeitkugeln, in denen die in den Filmen kennengelernten Menschen fiktiv im Jahr 2050 ihr Leben rückblickend erzählen. Vaniah werde berichten, dass auf Samoa durch den steigenden Meeresspiegel der Lebensraum eng geworden sei, sagt Nawrath. Mit den Korallenriffen sei auch eine vor Sturmfluten schützende Barriere zerstört worden. Der Blick in die Zukunft basiert auf Berechnungen des Max-Planck-Instituts für Meteorologie.
Bremerhaven investiert mindestens 70 Millionen Euro in Planung, Bau und Ausstattung des weltweit einzigartigen Ausstellungshauses, das privat betrieben wird. Das Klimahaus soll die wichtigste Attraktion der «Havenwelten» werden, zu dem auch das Auswandererhaus und das Schifffahrtsmuseum gehören. Die Seestadt erhoffe sich einen Zuwachs beim Städtetourismus, sagt Oberbürgermeister Jörg Schulz (SPD). Jährlich werden 600 000 Klimahaus-Besucher erwartet.
Für die meisten Europäer sei der Klimawandel noch abstrakt, sagt Geschäftsführer Dunker. Die «Reise» entlang des achten Längengrads mache deutlich, wie der Klimawandel das Leben der Menschen verändere. «Das sensibilisiert für gezielten Umwelt- und Klimaschutz»", sagt Dunker. Im Ausstellungsbereich «Perspektiven» bekämen die Besucher Möglichkeiten aufgezeigt, wie sie selbst das Klima schonen können.
(ddp)

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