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Mit Fußball und Frühstück gegen Gen-Rüben

ddp - Sonntag, 20. April, 11:34 Uhr

Northeim (ddp-nrd). Auf dem holprigen Boden verspringt immer wieder der Ball, präzise Spielzüge sind kaum möglich. Die Zuschauer, die auf Strohballen oder Holzbänken am Rand des provisorischen Fußballfeldes sitzen, bejubeln dennoch lauthals jede halbwegs gelungene Szene. Auch die Kicker selbst, vier altersmäßig und geschlechtlich bunt gemischte Teams, sind sichtlich mit viel Spaß bei der Sache.

Das Fußballturnier ist an diesem Tag der Höhepunkt auf dem Feld am südlichen Stadtrand von Northeim, das rund 20 Gentechnik-Gegner vor gut einer Woche besetzt haben. Sie wollen mit der Aktion gegen die geplante Freisetzung gentechnisch veränderter Rüben in diesem Frühjahr protestieren. «Wir sind für eine gentechnikfreie Landwirtschaft und verlangen, dass diese Versuche abgeblasen werden», sagt Benjamin Matoff, einer der Besetzer.

Die meisten Demonstranten sind aus dem nordhessischen Städtchen Witzenhausen gekommen, sie studieren dort ökologische Agrarwissenschaft, andere arbeiten in der Region als Bio-Landwirte oder Imker. Über das Wochenende haben die Besetzer großen Zulauf erhalten, ihre Zahl ist um das vier- bis fünffache gewachsen. Mehr als ein Dutzend Zelte stehen inzwischen auf dem lehmigen Acker. Es gibt auch ein Küchenzelt und ein weiteres für Versammlungen, Kurzzeit-Gäste können in einem «Strohhotel» übernachten. Auf dem kleinen Dorfplatz haben die Umweltschützer Bäume gepflanzt.

Die KWS Saatgut AG mit Sitz in Einbeck, eines der größten deutschen Saatgutunternehmen und federführend im Bereich der «grünen» Gentechnik, will auf diesem sowie drei weiteren Feldern gentechnisch veränderte Rüben anpflanzen. Die Pflanzen wurden im Labor gegen das Pflanzenschutzmittel Roundup resistent gemacht. Die KWS-Wissenschaftler möchten herausfinden, wie sich die Rüben gegenüber Krankheiten und Schädlingen verhalten. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hatte die Freisetzung Ende März erlaubt.

Für KWS-Vorstandssprecher Philip von dem Bussche, der bereits zweimal mit den Besetzern auf dem Feld diskutiert hat, ist die Sache deshalb klar: «Wir machen hier nur einen Forschungsversuch», sagt er. «Ob die Landwirtschaft diese Technologie in 15 Jahren braucht, wissen wir nicht». Die KWS werde auf jeden Fall aussäen, «aber wir sind nicht unter Zeitdruck».

«Die schädlichen Auswirkungen der Gentechnik sind doch längst erforscht, das brauchen Sie hier nicht mehr zu machen», hält Besetzerin Jenny Wintzer dagegen. Der Freilandversuch diene doch dazu, Gentechnik auf den Markt zu bringen. Wintzer und ihre Mitstreiter befürchten, dass auch Pflanzen auf anderen Feldern durch die manipulierten Rüben beeinträchtigt werden und mutieren könnten.

In der Region ist der Widerstand gegen die Freilandversuche mit genmanipulierten Rüben kontinuierlich gewachsen. Bürgerinitiativen sammelten mehr als 3000 Unterschriften gegen das Vorhaben. Der Rat der Kreisstadt Northeim sprach sich mehrheitlich gegen die Versuche aus. Zu Veranstaltungen in den umliegenden Dörfern kommen regelmäßig Hunderte Interessierte.

Protest gegen Gentechnik regt sich aber auch an anderen Orten. In dem Elbdörfchen Laase im Wendland protestieren Umweltschützer seit vergangenem Donnerstag mit einer Dauer-Mahnwache gegen einen Feldversuch mit gentechnisch verändertem Mais. «Die dafür vorgesehenen Flächen liegen im Biosphärenreservat an der Elbe», sagt Kerstin Rudek von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg.

Am Elbdeich stehen ein Zelt und Transparente, dort gibt es Kaffee und Kuchen sowie aktuelle Informationen. Am Sonnabend schleppten die Demonstranten Holz, Stroh, Metallteile und Werkzeug zum Feld. Einige begannen damit, Figuren aus dem Material zu formen. «Kunst auf dem Acker!» nannten die Gentechnik-Gegner ihre Aktion.

In Northeim freuen sich die Besetzer derweil über wachsende Unterstützung aus der Bevölkerung. «Wir bekommen Wasser und massenhaft Feuerholz von Northeimer Anwohnern», erzählt Jenny Wintzer. Andere Besucher brachten Getränkekisten und Lebensmittelpakete vorbei: «Wir mussten bislang kaum eigenes Geld für Essen ausgeben, manchmal essen wir den ganzen Nachmittag Kuchen.»

Am Freitag gab es eine Vorlesung am Rande des besetzten Ackers. Professor Stefan Seuring aus Witzenhausen sprach zum Thema «Management und Nachhaltigkeit». Die Studenten hätten ihn zu dem Vortrag überredet, sagt er. Das war wohl nicht allzu schwierig: «Ich bin gegen grüne Gentechnik». Für Sonntagmorgen hatten die Besetzer Nachbarn und Bekannte zu einem «gentechnikfreien Frühstück» in ihr Zeltdorf eingeladen. Die jungen Leute haben inzwischen aus dicken Balken einen rund acht Meter hohen Turm mit einer Plattform errichtet. «Als Ausguck und Schutz bei einer Räumung», sagt einer der Besetzer. «Wenn die Polizei kommt, kann sie uns von da oben nicht so leicht herunterholen.»

(ddp)

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